EU: Geflügelfleisch bald wieder aus Brasilien?

Brasilien bewertet ein EU-Audit als erfolgreich und hofft auf eine baldige Wiederaufnahme der Geflügel- und Honigexporte. Die EU-Kommission hält sich hingegen mit einer Einschätzung noch zurück.

AgE |

Werden Geflügelfleisch- und Honigimporte aus Brasilien in die Europäische Union bald wieder möglich sein? Nach Abschluss des Audits durch Experten der Europäischen Kommission erklärte Brasiliens Landwirtschaftsminister André de Paula am 4. September, die Ergebnisse seien «zufriedenstellend». Eine Sprecherin der Brüsseler Behörde betonte dagegen am 15. September gegenüber Agra Europe, der Bericht liege noch nicht vor.

Wochen bis Monate

Auf die Frage, wann mit den Ergebnissen zu rechnen sei, wollte sie «nicht spekulieren». Am 1. September, wenige Tage vor Abschluss des Audits, hatte die Kommission noch angegeben, es könne «mehrere Wochen, wenn nicht gar Monate dauern», bis die Resultate der Prüfung vorlägen.

Aus dem brasilianischen Ministerium hiess es indes, die Kontrollen seien positiv bewertet und Geflügel sowie Honig damit für den EU-Markt so gut wie zugelassen worden. Nun müsse man «den bürokratischen Prozess abwarten». Man gehe davon aus, dass man schon bald wieder auf der Liste der Geflügel- und Honiglieferanten für die Europäische Union stehen werde.

Rindfleisch vorerst ausgenommen

Hintergrund ist ein seit dem 3. September geltendes EU-Importverbot für eine Reihe von Agrargütern aus Brasilien, darunter Geflügelfleisch, Honig und Rindfleisch. Grund für das Verbot sind fehlende oder zu spät eingereichte Nachweise, dass die Masttiere beziehungsweise Bienen während ihrer gesamten Lebensdauer nicht mit antimikrobiellen Wachstumsförderern behandelt wurden. Der Einsatz entsprechender Wirkstoffe ist in der EU untersagt.

Bei Geflügelfleisch und Honig konnten die nötigen Nachweise aufgrund kürzerer Produktionszyklen bereits in den Sommermonaten nach Brüssel eingereicht werden. Werden diese nun als ausreichend bewertet, ist – vorausgesetzt, die Experten der EU-Mitgliedstaaten im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel (SCoPAFF) stimmen zu – mit einer Wiederzulassung der Importe zu rechnen.

Bei Rindfleisch dürfte dies dagegen noch eine Weile dauern. Hier liegen die Produktionszyklen bekanntlich bei ungefähr zwei Jahren.

Fleischexporteure sehen China nicht als Ersatz

Der brasilianische Verband der Fleischexportindustrie (ABIEC) bezeichnet die Unterbrechung der Warenströme in die EU als «besonders besorgniserregend».

Für den europäischen Absatzmarkt gebe es keinen automatischen Ersatz, betont der Verband. Das gelte vor allem für den Absatz hochwertiger Teilstücke. China importiere hauptsächlich Schlachtkörper, um diese im eigenen Land weiterzuverarbeiten.

Paraguay befürchtet mehr Importe aus Brasilien

Mit Blick auf die ausgesetzten brasilianischen Rindfleischimporte in die EU zeigt sich das Mercosur-Land Paraguay besorgt. Der Generaldirektor der paraguayischen Fleischkammer, Daniel Burt, warnte vor steigenden Einfuhren aus Brasilien.

Er zeigte sich enttäuscht: Nur wenige Monate nach Inkrafttreten des Handelsabkommens zwischen der EU und den Mercosur-Staaten laufe der Fleischmarkt eher über, statt sich wie versprochen durch Handelserleichterungen zu entspannen. Gleichzeitig räumte er ein, dass es gewisse Möglichkeiten gebe, mehr paraguayisches Rindfleisch in der EU abzusetzen. 

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