
Die Hitze verursache signifikante Schäden und fördere die Vermehrung zahlreicher Schädlinge.
Monika Gerlach
In Frankreich dürfte die Zuckerproduktion der bevorstehenden Kampagne spürbar hinter dem Spitzenergebnis von 2025/26 zurückbleiben. Das zeichnet sich bereits vor den ersten offiziellen Ernteschätzungen ab. Wie der Fachverband der Rübenerzeuger (CGB) auf Anfrage von AGRA Europe mitteilte, gibt der Zustand der Kulturen Anlass für ernsthafte Besorgnis.
Rüsselkäfer
Die Hitze verursache signifikante Schäden und fördere die Vermehrung zahlreicher Schädlinge. Insbesondere die vormals auf Gebiete südlich der Loire beschränkten Rüsselkäfer breiten sich nach Angaben des Fachverbandes schnell aus. Da die Rübenbauern ihre Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr verkleinert haben, dürfte eine Ernte auf Vorjahresniveau nicht mehr in Reichweite sein.
Den jüngsten Angaben des Statistischen Dienstes beim Pariser Landwirtschaftsministerium (Agreste) zufolge wurden Zuckerrüben 2026 auf 373'000 Hektaren gedrillt; gegenüber dem Vorjahr entsprach das einem Minus von 6,3 %.
Frankreich wieder an der Spitze
Mit dem Ergebnis der Kampagne 2025/26 hatte sich Frankreich erstmals seit 2020/21 an die Spitze der EU-Erzeugerländer gesetzt. Nach Angaben von Agreste wurden vor dem Hintergrund eines gut versorgten Weltmarktes insgesamt 4,7 Mio. Tonnen Rübenzucker in dem Land erzeugt; das waren 8,2 % mehr als in der vorangegangenen Kampagne. In Deutschland wurden 4,5 Mio. Tonnen Zucker produziert, in Polen waren es 2,6 Mio. Tonnen. Zusammen brachten es die 27 Mitgliedstaaten auf 16,5 Mio. Tonnen Zucker.
Grundlage der guten französischen Ernte war die Witterung. Die spürbar verbesserten Erträge und Zuckergehalte konnten die gegenüber dem Vorjahr um 3,5 % verkleinerte Anbaufläche mehr als kompensieren. Laut den Statistikern wurden durchschnittlich 903 dt/ha eingefahren, ein Plus von 13,2 %. Das Gesamtaufkommen an Zuckerrüben erreichte 35,9 Mio. Tonnen und damit das höchste Niveau seit 2019.
Weltmarkt bleibt gut versorgt
Für das Vermarktungsjahr 2026/27 deuten erste Anzeichen laut Agreste auf eine anhaltend gute Versorgung des Weltmarktes hin. Massgeblichen Einfluss werden nach Einschätzung der Fachleute die Produktion Brasiliens, die Handelspolitik wichtiger Erzeugerländer wie Indien sowie die Nachfrage nach Ethanol ausüben.
Zudem dürfte die Ausprägung des Klimaphänomens El Niño eine wichtige Rolle spielen. Auch der Iran-Konflikt kann sich den Statistikern zufolge noch kurzfristig auf den Zuckermarkt auswirken, etwa indem die Anreize für die Ethanolerzeugung verstärkt werden.