
Aus Sicht der Branchenorganisationen muss sichergestellt werden, dass die australischen Produzenten nicht schlechter gestellt werden als ihre Konkurrenz in Brasilien, Kanada oder Neuseeland.
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Vor dem Hintergrund der neuerlichen Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Australien hat die Fleischwirtschaft des potenziellen Partnerlandes ihre Anforderungen an eine Vereinbarung klar formuliert. Wie der australische Fleischindustrieverband (AMIC) und die Branchenorganisation Meat and Livestock Australia (MLA) in der vergangenen Woche betonten, müsse aus ihrer Sicht ein bedeutender Zugang zum europäischen Markt für Rotfleisch geschaffen werden.
Konkret pochen AMIC und MLA auf Quoten für die zollbegünstigte Lieferung von mindestens 50’000 Tonnen Rindfleisch sowie 67’000 Tonnen Schaf- und Ziegenfleisch. Aus Sicht der Branchenorganisationen muss sichergestellt werden, dass die australischen Produzenten nicht schlechter gestellt werden als ihre Konkurrenz in Brasilien, Kanada oder Neuseeland. Sollte dies nicht gewährleistet sein, bestehe zumindest aus Sicht der Fleischwirtschaft kein nationales Interesse daran, die Vereinbarung unter Dach und Fach zu bringen.
Wettbewerbsnachteile im Fokus
Der AMIC arbeitet nach eigenen Angaben bereits seit mehreren Jahren eng mit der australischen Regierung zusammen. Man habe deutlich gemacht, dass das Abkommen genutzt werden müsse, um entscheidende Weichen für den künftigen Zugang zum EU-Markt zu stellen, erklärte der Vorsitzende des Verbandes, Tim Ryan. Da Australien als gleichgesinnter Partner in Fragen der Qualität und Nachhaltigkeit gut positioniert sei, dürften die Quoten für zollbegünstigte Lieferungen nicht hinter jenen der Konkurrenz zurückbleiben.
In dieselbe Kerbe schlägt die MLA. «Der Zugang zum EU-Markt für Rotfleisch war fast 50 Jahre unverändert und ist dann im Zuge des Brexits verkleinert worden», erklärte der Leiter der zuständigen Arbeitsgruppe, Andrew McDonald. Das Freihandelsabkommen sei die einzige realistische Gelegenheit, den Wettbewerbsnachteil der australischen Produzenten zu korrigieren.
Aktuelle Quoten im Vergleich
Der MLA zufolge sind die aktuellen Quoten für zollbegünstigte Lieferungen in die EU für die australischen Fleischerzeuger «überproportional niedrig». Demnach sind für Rindfleisch derzeit 3’389 Tonnen vorgesehen, bei Schaf- und Ziegenfleisch sind es 5’851 Tonnen.
Demgegenüber stehen laut MLA 99’000 Tonnen für Rindfleisch aus dem Mercosur sowie 50’000 Tonnen für kanadische Ware. Neuseeland profitiert der Branchenorganisation zufolge bei Schaf- und Ziegenfleisch von einer Freihandelsquote von 38’000 Tonnen; weitere 125’769 Tonnen sollen im Rahmen von Regularien der Welthandelsorganisation (WTO) geliefert werden können.
Gespräche ohne Durchbruch
Die jüngsten Gespräche zwischen der EU-Kommission und der australischen Regierung waren erst am vergangenen Freitag (13.2.) ohne greifbares Ergebnis beendet worden. In konstruktiver und positiver Atmosphäre seien jedoch gute Fortschritte im Hinblick auf eine «kleine Anzahl noch offener Fragen» erzielt worden, liess die EU-Kommission verlauten.
Aus dem Hintergrund war zu hören, dass neben der australischen Rindfleischquote auch die gegenseitige Anerkennung geografischer Herkunftsangaben weiterhin Differenzen verursacht. Bereits 2023 war eine Einigung im letzten Moment gescheitert. Damals hatte Australien dies mit einem unzureichenden Zugang für seine Agrarprodukte zum EU-Markt begründet. Im vergangenen Jahr nahmen beide Seiten die Gespräche erneut auf.