Erstmals seit Ende April notiert der Euro/Franken-Kurs am Montag über 0,92, und für den Dollar rückt die Marke von 0,80 Franken wieder in Reichweite.
Sicherer Hafen weniger gefragt
«Die Zinserwartungen sind für uns der Hauptgrund für den zuletzt etwas schwächeren Franken», sagt Fredy Hasenmaile, Chefökonom von Raiffeisen Schweiz gegenüber der Nachrichtenagentur AWP. Zu Beginn des Nahost-Konflikts habe noch der «Sichere Hafen»-Faktor überwogen. Dies habe sich nun geändert.
«Der Iran-Krieg ist am Finanzmarkt seit langem eingepreist und führt nicht mehr zu einer weiteren Flucht in Sicherheit – das ist auch beim schwächelnden Goldpreis zu erkennen», meint auch Karsten Junius, Chefökonom bei J. Safra Sarasin.
EZB-Erhöhung eingepreist
Am Donnerstag dürfte die EZB als erste der grossen Notenbanken auf die gestiegene Inflation reagieren und die Zinsen anheben. Dieser Schritt wurde lange vorbereitet und stützt entsprechend den Euro, so der Tenor. Experten gehen sogar mittlerweile von einer weiteren Erhöhung im Jahresverlauf aus.
Von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) werden hingegen auf absehbare Zeit keine Zinserhöhungen erwartet. Damit wird der Euro im Vergleich zum Franken attraktiver. Bei ING sieht man sogar durchaus die Möglichkeit von weiteren drei Zinserhöhungen in der Eurozone über die nächsten 10 bis 12 Monate, was die Gemeinschaftswährung weiter stärken könnte.
Zinssenkungen in den USA vom Tisch?
Auch in den USA gab es bei den Zinsen einen riesigen Umschwung, wie die Commerzbank meint. Anfang Jahr seien noch Zinssenkungen erwartet worden, nun nicht mehr. Zusätzlich befeuert wurde diese Tendenz am vergangenen Freitag von einem unerwartet starken US-Arbeitsmarktbericht.
Generell bleibe die US-Geldpolitik der dominante Treiber an den Devisenmärkten, da der Dollar mit seinem Status als Weltleitwährung an 90 Prozent aller Devisentransaktionen beteiligt ist, schreiben die Experten weiter.
Iran-Krieg hat weiter Potenzial
Laut Hasenmaile hoffen die Märkte derzeit weiterhin auf eine baldige Lösung des Iran-Konflikts. Sollte sich aber keine Lösung ergeben und die Ölpreise deutlich über 100 Dollar steigen, dürfte der Franken wieder an Stärke gewinnen.
Bei aller Diskussion über die aktuelle Frankenschwäche darf laut Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, ein Aspekt aber nicht vergessen werden. Der Franken sei auch auf dem aktuellen Niveau noch immer eine sehr feste Währung. «Daher kann höchstens von relativer Schwäche die Rede sein.»
