
Die Lebensmitteleinzelhändler Carrefour und Coopérative U wollen ihre Produktanforderungen lockern und bei Vorgaben zu Aussehen und Grösse beziehungsweise Gewicht mehr Toleranz walten lassen.
Grégory Roose
In Frankreich haben zwei grosse Handelskonzerne angekündigt, ihre Lieferanten aus der Landwirtschaft bei der Bewältigung der aktuellen Witterungsextreme zu unterstützen. Profitieren sollen vor allem die Produzenten von Obst und Gemüse.
Normen gelockert
Die Lebensmitteleinzelhändler Carrefour und Coopérative U wollen ihre Produktanforderungen lockern und bei Vorgaben zu Aussehen und Grösse beziehungsweise Gewicht mehr Toleranz walten lassen. Coopérative U hat nach eigenen Angaben zudem die Preise angepasst, um den Landwirten wirtschaftliche Unterstützung zukommen zu lassen. Carrefour will die Produzentenpreise für Frischware überprüfen, sobald sich die durch die Hitzewellen gestiegenen Produktionskosten niederschlagen.
Beide Konzerne kündigen an, vereinbarte Zahlungsfristen vorerst auf 15 Tage zu verkürzen. Carrefour stellt darüber hinaus in Aussicht, in der Lieferkette von Rindfleisch eine Dürreklausel zu verankern, die letztlich die gestiegenen Futterkosten abfedern soll.
Staatliches Hilfsprogramm in Arbeit
Bei der staatlichen Unterstützung müssen sich die französischen Landwirte noch etwas gedulden. Das Landwirtschaftsministerium hat das angekündigte Hilfsprogramm noch nicht fertiggestellt. Einfliessen sollen unter anderem noch die Ergebnisse eines Treffens von Ressortchefin Annie Genevard mit den Präfekten, das am 27. August stattfinden soll.
Wie die Ministerin kürzlich beim Radiosender «RMC» durchblicken liess, werden unter anderem Darlehen erwogen, die eventuelle Liquiditätsengpässe bis zur nächsten Ernte überbrücken sollen.
Brief vom Premierminister
Solidarisch mit den Landwirten zeigte sich Premierminister Sébastien Lecornu. Er wandte sich mit einem offenen Brief an die Bauern und versprach «schnelle und robuste» Antworten. Laut Lecornu können die Landwirte unter anderem mit Nachlässen bei Steuern und Sozialabgaben rechnen. Zudem stellt der Premierminister der Branche in Aussicht, bei der notwendigen Konsolidierung der Staatsfinanzen weitgehend aussen vor gelassen zu werden. Frankreich müsse sein Defizit verringern und die Ausgaben besser kontrollieren, aber die Konsolidierung dürfe nicht auf Kosten der Produzenten geschehen, schreibt Lecornu.
Jede Einsparung bei der Produktion von Lebensmitteln werde sich langfristig als kostspielig erweisen. Dem Premierminister zufolge wird die Regierung vorschlagen, im kommenden Jahr Steuerbegünstigungen für Investitionen einzuführen, die mit dem jüngst verabschiedeten Notfallgesetz ermöglicht wurden. Das dürfte beispielsweise den Bau von Wasserspeichern betreffen.
Offiziell liegt der Haushaltsentwurf für 2027 aber noch nicht vor. Medienberichten zufolge erwägt die Regierung allerdings, das Budget des Landwirtschaftsministeriums um 100 Mio. Euro (92,8 Mio. Franken) zu kürzen.