
Die polnische Landwirtschaft ist nach wie vor ein wichtiger Wirtschafts- und Erwerbszweig. Auf ca. 14,5 Mio. Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche existieren etwa 1,4 Mio. landwirtschaftliche Betriebe, die beinahe ausschliesslich von Einzellandwirten geführt werden, da eine Kollektivierung der Landwirtschaft nie stattgefunden hat.
Tomek
Polen hat vom Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten profitiert. Bereits im ersten Monat der vorläufigen Anwendung konnte der EU-Mitgliedstaat seine Handelsbilanz etwas verbessern. Das zeigen vorläufige Zahlen, die das Landwirtschaftsministerium vorgestellt hat.
Demnach lieferte die polnische Agrar- und Ernährungswirtschaft im Mai Waren im Wert von 5,9 Mio. Euro (5,48 Mio. Franken) in den südamerikanischen Staatenblock. Im Vorjahresmonat waren es 4,6 Mio. Euro (4,27 Mio. Franken) gewesen. Gleichzeitig gingen die Importe aus dem Mercosur laut Ministerium wertmässig um 13,3 Prozent auf rund 141 Mio. Euro (130,95 Mio. Franken) zurück. Besonders gefragt waren Brot und andere Backwaren, Schokolade und weitere kakaohaltige Lebensmittelzubereitungen sowie geröstetes und ungeröstetes Malz.
Regierung hält an Nein fest
Landwirtschaftsminister Stefan Krajewski sprach von «guten Nachrichten», betonte jedoch im selben Atemzug, dass Polen das Abkommen weiterhin konsequent ablehne. Als einziger Mitgliedstaat habe das Land Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) eingereicht.
Laut Krajewski wird sein Ministerium die Auswirkungen des Abkommens auf die Landwirtschaft laufend beobachten und bei Bedarf eingreifen. Zudem würden Sicherheit und Qualität der Importe aus Drittstaaten kontinuierlich kontrolliert.
Entscheid des EuGH steht aus
Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten wird seit dem 1. Mai vorläufig angewendet. Während die Mitgliedstaaten die Vereinbarung bereits abgesegnet haben, ist die endgültige Abstimmung im Europaparlament sistiert, bis der EuGH entschieden hat.
Polen hatte das Abkommen während der Verhandlungen auf EU-Ebene stets abgelehnt und bis zuletzt versucht, im Rat eine Blockade zu organisieren. Warschau begründet seine Haltung vor allem mit ungleichen Wettbewerbsbedingungen aufgrund unterschiedlicher Produktions-, Umwelt- und Sozialstandards in Südamerika.