Gärreste als Ersatz für Mineraldünger

Die EU-Kommission will es Landwirten ermöglichen, flüssige Gärreste künftig flexibler als Dünger einzusetzen. Dazu wurde nun eine Konsultation gestartet. Brüssel will mit den Anpassungen die Kosten für die Betriebe senken und sie unabhängiger von Mineraldünger machen. Hofbiogasanlagen könnten davon profitieren.

AgE |

Die Europäische Kommission macht Ernst mit ihren Plänen, mehr Gärreste als Dünger auf die Felder zu bringen. Am Montag, 19.10., hat sie dazu eine Konsultation gestartet. Landwirte, Zivilgesellschaft, Behörden und Wissenschaftler können bis zum 13. November zur geplanten Änderung der EU-Nitratrichtlinie Stellung nehmen.

Wie aus dem Entwurf hervorgeht, sollen die Mitgliedstaaten ihren Bauern erlauben können, bestimmte flüssige Gärreste aus Tierdung auszubringen. Diese sollen chemische Düngemittel teilweise ersetzen, ohne der Umwelt zu schaden.

Sobald die Kommission die Rückmeldungen ausgewertet hat, will sie den Vorschlag den Mitgliedstaaten im Nitratausschuss vorlegen. Stimmt das Gremium zu, geht der Text an das Europaparlament und den Rat. Beide können dann binnen drei Monaten ein Veto einlegen.

Nur landwirtschaftliche Substrate

Konkret will Brüssel die Ausnahmen für Stickstoff, der aus Gülle gewonnen wird (Renure), auf Gärreste ausweiten. Seit März 2026 gelten hier neue Regeln. Für Wirtschaftsdünger legt die Nitratrichtlinie in nitratgefährdeten Gebieten eine Obergrenze von 170 Kilogramm Stickstoff (N) pro Hektar fest. Renure-Dünger dürfen die Mitgliedstaaten seither darüber hinaus zulassen, und zwar mit bis zu 80 Kilogramm N je Hektar und Jahr. Diese Obergrenze soll auch für anerkannte Gärreste eingeführt werden.

Infrage kommen sollen flüssige Fraktionen, die viel mineralischen Stickstoff und wenig organisches Material enthalten. Damit ihr Nährstoffgehalt gleich bleibt, sollen feste und flüssige Bestandteile per Zentrifuge getrennt werden. Zudem sind nur landwirtschaftliche Substrate vorgesehen, damit etwa Industriematerialien die Gärreste nicht verunreinigen.

Die Kommission reagiert mit dem Vorstoss auf geopolitische Spannungen und Störungen auf den globalen Düngemittelmärkten. Die Landwirte sollen weniger anfällig für Preisschocks werden. Zudem will Brüssel Nährstoffkreisläufe schliessen. Angekündigt hatte die Behörde das Vorhaben bereits im Aktionsplan für Düngemittel und in der Nutztierstrategie.

Kein Effekt auf EU-Preise

Die Kommission stützt ihren Vorschlag auf einen jüngst vorgelegten Bericht ihrer Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC). Die Autoren sehen das grösste Potenzial in viehstarken Regionen, da dort die meisten Stickstoffüberschüsse anfallen würden. EU-weit lasse sich aber zu wenig einsparen, um die Düngemittelpreise zu beeinflussen. Regional könne das Vorhaben dagegen durchaus wirken.

In Niedersachsen etwa ginge der Einsatz von mineralischem Stickstoffdünger einer Fallstudie zufolge im Basisszenario nur um 0,2% zurück, im günstigsten Fall um bis zu 4,2%. Wie stark, hängt den Autoren zufolge vor allem davon ab, wie teuer Mineraldünger und das Zentrifugieren sind und welche Gebühren für organischen Dünger anfallen.

Hofbiogasanlagen könnten profitieren

Auch kleine Hofbiogasanlagen könnten profitieren, wie eine Fallstudie für Flandern und die Niederlande zeigt. Dafür müssten aber auch flüssige Gärreste aus Rindergülle als Renure-Dünger gelten. Gerade sie erfüllen die Kriterien bislang am wenigsten. Bremsen könnten zudem die 80-kg-Grenze, Vorgaben für Phosphor sowie Genehmigungsverfahren.

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