GB: Lebensmittelproduktion schrumpft

Im Vereinigten Königreich droht ein massiver Rückgang der Lebensmittelproduktion. Eine neue Studie warnt, dass bis 2050 ein Viertel der landwirtschaftlich genutzten Fläche verloren gehen und die Eigenversorgung stark sinken könnte.

Im Vereinigten Königreich könnte bis 2050 die Lebensmittelproduktion um etwa ein Drittel zurückgehen. Das geht aus einer Studie hervor, die am Montag (3. November) der parlamentarische Ausschuss für Wissenschaft und Technologie in der Landwirtschaft (APPGSTA) am Agri-Science Summit vorgestellt hat.

Studienautor Dr. Derrick Wilkinson, früherer Chefökonom des englischen Bauernverbandes, rechnet darin vor, dass die Ziele der britischen Regierung in den Bereichen Wohnungsbau, Renaturierung, erneuerbare Energien, Aufforstung und Infrastruktur in den kommenden 25 Jahren zum Verlust von bis zu einem Viertel der aktuell landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF) führen könnten.

«30:50:50»-Mission als Ausweg

Vor diesem Hintergrund forderte der APPGSTA die Londoner Regierung «nachdrücklich» auf, zur Kompensation bis 2050 die landwirtschaftliche Produktion um 30 % zu steigern und gleichzeitig den ökologischen Fussabdruck der Landwirtschaft um 50 % zu verringern. Diese als «30:50:50» betitelte Mission sollte als konsistenter, ressortübergreifender Bezugspunkt für alle Lebensmittel-, Landwirtschafts- und Landnutzungspolitiken verankert werden, so der Ausschuss.

Die Vorschläge sind nicht gänzlich neu. Bereits im Januar hatte der Ausschuss sie in seiner «Investitionsagenda für die britische Landwirtschaft» aufgeführt. Nun sind in den Bericht ergänzend die Beiträge und Rückmeldungen der Interessengruppen eingeflossen.

Ernährungssicherheit auf strategischer EbeneDarüber hinaus drängt der Ausschuss darauf, die Ernährungssicherheit von der strategischen Bedeutung her auf eine Stufe mit Umweltzielen, der biologischen Vielfalt und der Emissionsreduktion zu stellen – und zwar mit dem gesetzlichen Ziel von 75 % Selbstversorgung bis 2050.

Kritik an der Agrarpolitik

Der Ausschussvorsitzende George Freeman sieht die britische Landwirtschaft an einem Wendepunkt. Er äusserte bei der Vorstellung des Berichts zugleich massive Kritik an der früheren und aktuellen Agrarpolitik. Er machte deutlich, dass «trotz günstiger Anbaubedingungen, einer Agrarwissenschaft von Weltklasse und einem hochprofessionellen Agrarsektor» das Wachstum der landwirtschaftlichen Produktivität im Vereinigten Königreich ins Stocken geraten sei.

Als Gründe dafür hat Freeman wechselnde Regierungen, fragmentierte Fördermassnahmen und uneinheitliche Vorschriften ausgemacht, aber auch das Versäumnis, wissenschaftliche Fortschritte in die Praxis umzusetzen. Untersuchungen des Landwirtschaftsministeriums (DEFRA) hätten gezeigt, dass die derzeitige Agrarpolitik zu einem Rückgang oder einer Verlagerung der heimischen Lebensmittelproduktion führen werde.

Der APPGSTA-Vorsitzende zeigte sich überzeugt, dass das Vereinigte Königreich ohne radikale politische Reformen eine weitere Erosion seiner Selbstversorgung mit Lebensmitteln und eine wachsende Abhängigkeit von Importen riskiere – und dies in einer Zeit, in der geopolitische Instabilität und Klimaextreme die globalen Lebensmittelversorgungsketten bedrohen.

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