Wegen ihrer Lage am Schwarzen Meer trägt die Südkaukasusrepublik Georgien auch den Beinamen «Balkon Europas». Der Krieg im Südkaukasus. Mit knapp 70'000 Quadratkilometern ist die frühere Sowjetrepublik an der Nahtstelle zwischen Europa und Asien mehr anderthalb Mal so gross wie die Schweiz.
Etwa jeder zehnte der rund 4,6 Millionen Einwohner ist Russe. Seit dem blutigen Krieg gegen Russland im August 2008 hat die Zentralregierung die Kontrolle über die abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien komplett verloren. Hauptstadt ist Tiflis mit rund 1,3 Millionen Einwohner, Parlamentssitz ist Kutaissi.
Die friedliche Rosenrevolution führte Ende 2003 zum Sturz von Präsident Eduard Schewardnadse und brachte Michail Saakaschwili an die Macht. Allerdings werfen ihm Gegner einen immer autoritäreren Stil vor. Seit 2012 ist sein Machtmonopol gebrochen, als die Allianz des Milliardärs Bidsina Iwanischwili die Parlamentswahl gewann. Ziel bleibt die Integration in die EU und dem westlichen Verteidigungsbündnis NATO.
Der ökonomische Reformkurs führte zwar zu einem beachtlichen Wirtschaftswachstum, aber nur ein Teil der Bevölkerung profitierte davon. Vor allem eine hohe Inflation (2011: 8,5 Prozent) und ein defizitärer Aussenhandel bereiten dem Land Probleme. 2012 lag das Bruttoinlandprodukt geschätzt bei 15,93 Milliarden Dollar. Die Arbeitslosigkeit beträgt nach offiziellen Angaben etwa 16 Prozent, unabhängige Schätzungen gehen von deutlich mehr aus. Zu den wichtigsten Exportgütern gehören Metalle und Agrarprodukte wie Wein.
Margwelaschwili feiert Sieg bei Präsidentenwahl
In der Südkaukasusrepublik Georgien hat der frühere Bildungsminister Georgi Margwelaschwili mit klarer Mehrheit die Präsidentenwahl gewonnen. Der Vertraute von Regierungschef Bidsina Iwanischwili wird damit Nachfolger des zuletzt umstrittenen Staatsoberhaupts Michail Saakaschwili.
Nach dem ersten demokratischen Wechsel an der Staatsspitze kann das Lager des Milliardärs Iwanischwili künftig uneingeschränkt Macht ausüben. Der Zweitplatzierte, Ex-Parlamentschef David Bakradse von Saakaschwilis Vereinter Nationaler Bewegung, räumte nach Schliessung der Wahllokale am Sonntag seine Niederlage ein und gratulierte seinem Rivalen zum Sieg. Er wolle als Oppositionsführer die Arbeit von Regierungschef und Präsident überprüfen, kündigte er an. sda/dpa
Der Krieg im Südkaukasus
Der August-Krieg von 2008 zwischen Russland und Georgien hat die schwerste Krise zwischen Ost und West seit Ende des Kalten Krieges ausgelöst. Dabei verlor Georgien die Provinzen Südossetien und Abchasien, die etwa ein Fünftel seines Territoriums ausmachten. Russland erkannte die Regionen gegen internationalen Protest als unabhängige Staaten an.
Russen blockierten Häfen
Die Gebiete hatten sich schon nach dem Zerfall der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre de facto von Georgien abgespalten. Dabei war es immer wieder zu schweren bewaffneten Auseinandersetzungen gekommen. Ein 2004 geschlossener Waffenstillstand blieb brüchig.
In der Nacht zum 8. August 2008 schickte Georgiens Präsident Michail Saakaschwili nach wechselseitigem Beschuss seine Truppen auf den Weg in Südossetiens Hauptstadt Zchinwali. Danach begann eine russische Gegenoffensive mit Panzern, Kampfjets und Raketen. Am 10. August mussten sich die Georgier aus dem umkämpften Zchinwali zurückziehen. Der Konflikt griff auf Abchasien über. Russische Kriegsschiffe blockierten die georgische Schwarzmeerküste.
Bis 600 Tote
Nach der Bombardierung seines Territoriums bat Georgien die internationale Gemeinschaft um Hilfe. Frankreich vermittelte als EU-Ratsvorsitzender. Saakaschwili unterschrieb eine von Russland verlangte Verpflichtung zur Waffenruhe.
Russische Soldaten standen zu diesem Zeitpunkt bereits tief in georgischem Kernland. Der damalige Präsident Russlands, Dmitri Medwedew, befahl am 12. August die Einstellung der Kampfhandlungen. Nach unterschiedlichen Angaben starben in diesem Krieg 440 bis 600 Menschen. Die abtrünnigen Regionen sind weiter von Russland abhängig, das dort auch Tausende Soldaten stationiert hat. EU und USA sehen die Gebiete aber weiter als Teil Georgiens an. Der Westen ist zudem besorgt über von Südossetien errichtete Grenzzäune. sda/dpa