Gespräche wegen Hormon-Rindfleisch gestoppt

Die Londoner Regierung hat ihre Handelsgespräche mit der kanadischen Regierung unterbrochen. Grund hierfür ist das Festhalten des Königreichs an Beschränkungen für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Im Fokus steht dabei hormonbehandeltes Rindfleisch, das in Grossbritannien verboten ist. Während der NFU die Entscheidung begrüsste, zeigte sich die Canadian Cattle Association enttäuscht.

AgE |

Die britische Regierung hat die aktuell laufenden Handelsgespräche mit Kanada unterbrochen. Es geht dabei um ein Abkommen, das noch aus der Zeit der EU-Mitgliedschaft Grossbritanniens stammt. Eine Sprecherin der Regierung in London erklärte, dass die Gespräche derzeit «pausieren».

Kanada enttäuscht

Die britische Presse nennt als Gründe hierfür, dass das Vereinigte Königreich auf der Beibehaltung von Beschränkungen für landwirtschaftliche Erzeugnisse besteht. Im Kern geht es dabei um mit Hormonen behandeltes Rindfleisch. Hormone dürfen aktuell bekanntlich in Kanada eingesetzt werden, während sie in Grossbritannien wegen Gesundheitsbedenken nicht zum Einsatz kommen dürfen.

Die kanadische Seite zeigte sich indes enttäuscht. Eine Sprecherin des dortigen Handelsministeriums betonte, ihr Haus sei weiterhin offen für die Wiederaufnahme von Gesprächen, um die Handelsbeziehungen zu intensivieren. Gleichzeitig stellte die Sprecherin klar, dass die Regierung in Ottawa kein Abkommen aushandeln werde, das nicht gut für die Bürger, Landwirte, Unternehmen und Arbeitnehmer Kanadas sei.

Beobachter sehen Scheitern

Beobachter im Vereinigten Königreich sprechen schon von einem Scheitern der Gespräche. Für sie steht fest, dass die Handelsbeziehungen Grossbritanniens mit Kanada nach dem Abbruch der Gespräche schlechter sind als zu Zeiten des EU-Abkommens mit dem nordamerikanischen Land.

Laut der Londoner Regierung belief sich der Gesamtwert des Warenhandels zwischen beiden Ländern 2020 auf 21 Mrd. Franken (22,5 Mrd. Euro), wobei die Einfuhren des Königreichs aus Kanada höher lagen als in die umgekehrte Richtung.

Unterschiedliche Reaktionen bei Farmern

Der landwirtschaftliche Berufsstand im Königreich begrüsste die Nachricht vom Pausieren der Verhandlungen. So äusserte sich die Präsidentin des englischen Bauernverbandes (NFU), Minette Batters, erleichtert. Gegenüber der BBC teilte Batters ihre Besorgnis über die Einfuhr von hormonbehandeltem Rindfleisch.

Zugleich betonte die scheidende Verbandspräsidentin, wie wichtig es sei, die Standards der Lebensmittelsicherheit im Königreich aufrecht zu erhalten. Aus Sicht der Präsidentin der Organisation britischer Landbesitzer (CLA), Victoria Vyvyan, hat die Regierung zu Recht die kanadische Forderung abgelehnt, die Einfuhr von hormonbehandeltem Rindfleisch zuzulassen. «Der Preis dafür ist einfach zu hoch», unterstrich Vyvyan.

Züchter enttäuscht 

Die Canadian Cattle Association (CCA) äusserte hingegen ihr Bedauern über die Entscheidung Grossbritanniens, die bilateralen Verhandlungen vorerst zu pausieren. «Die kanadische Rindfleischindustrie ist ein starker Verfechter des freien und offenen Handels», sagte CCA-Präsident Nathan Phinney.

Der Londoner Regierung warf Phinney einen «Mangel an Ehrgeiz und Kooperation» vor. Grossbritannien könne schon heute uneingeschränkt Rindfleisch nach Kanada einführen, während kanadische Produzenten vom britischen Markt ausgeschlossen seien. Phinney warnte davor, dass kanadische Produzenten solange benachteiligt sein würden, bis sämtliche Handelsrestriktionen aufgehoben seien.

Kanada habe zudem weltweit mit die höchste Lebensmittelsicherheitsstandards. Die CCA werde daher solange gegen eine Aufnahme Grossbritanniens in das transpazifische Freihandelsabkommen (CPTPP) opponieren, bis Probleme beim Zugang zum Rindfleischmarkt gelöst seien. 

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