In Griechenland haben Landwirte aus Protest gegen die geplante Renten- und Steuerreformen der Regierung wichtige Strassenverbindungen mit ihren Traktoren lahmgelegt. Dies berichtet der griechische Sender ERT. Bauern haben gar den Wirtschaftsminister eingesperrt.
Die Proteste haben am Mittwoch begonnen und wurden am Donnerstag ausgedehnt. Die Landwirte behinderten mit ihren Traktoren unter anderem den Verkehr auf der Achse, die Westgriechenland mit der Türkei verbindet. Die Maschinen sind auf den wichtigsten Verkehrsknoten aufgestellt worden.
Proteste sollen noch lange andauern
In Tempe, in der Nähe von Larissa in Zentralgriechenland, haben sich Bauern mit über 1000 Traktoren eingefunden. Wie Sputnik Deutschland berichtet, wollen sie bis zum 28. Januar dort bleiben. Die Landwirte in der Region wollen insgesamt über 1‘500 Traktoren einsetzen. Auch an anderen Orten protestierten die Bauern. Im südgriechischen Argolis wurde ein Marsch organisiert, in Thessaloniki demonstrieren Bauern mit 500 Traktoren vor den Toren der Stadt.
Am Mittwoch hatten Landwirte von Komotini den Wirtschaftsminister Evangelos Apostolou stundenlang im Verwaltungsgebäude der Stadt eingesperrt. Sie forderten, den Gesetzentwurf über die Sozialversicherung für die Bauern zurückzuziehen und einen Dialog mit der Regierung einzuleiten. „Wir werden diese Beschlüsse nicht dulden“, heisst es vonseiten der Bauern.
Bauern sollen 20 Prozent an Rentenversicherung abgeben
Der Protest richtet sich gegen das Rentenreformgesetz und neue Steuern. «Es geht nicht anders. Wir können nicht mehr zahlen», sagte Ioannis Vaggos, Präsident des Landwirte-Verbandes der Region Livadeia, am Montag im griechischen Rundfunk.
Geplant sind unter anderem Kürzungen aller neuen Renten um durchschnittlich 15 Prozent. Bauern sollen zudem bis zu 20 Prozent ihres Einkommens ihrer Rentenversicherung abgeben müssen. Bislang müssen sie nur 7 Prozent ihres Einkommens dafür geben.
Proteste im ganzen Land
Im Griechenland demonstrierten Tausende von Menschen. In Athen versammelten sich laut der Polizei mehr als 6000 Rechtsanwälte, Ingenieure, Notare, Apotheker, Prokuristen, Ärzte sowie andere Freischaffende zu Protesten. «Wir sagen Nein zur Rentenreform», skandierten die Demonstranten.
Auch in anderen Städten gingen Freischaffende auf die Strasse, wie das Staatsradio berichtete. Die griechische Presse sprach von einem «Aufstand der Krawatten». Am 4. Februar soll es zu landesweiten Streiks auch im staatlichen Bereich kommen. Die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras muss die Rentenreform umsetzen. Sie ist Voraussetzung für weitere Finanzhilfen.