Die Ernährungsgewohnheiten eines deutschen Bürgers benötigen pro Jahr im Schnitt 29’000 Liter Bewässerungswasser, und zwar weltweit. Diese Menge umfasst etwa 242 Badewannenfüllungen. Das geht aus einer Studie des World Wide Fund For Nature (WWF) hervor.
Demnach hat in Deutschland eine Ernährung mit Zitronen, Orangen und Mandarinen aus wasserarmen Regionen wie Spanien einen zusätzlichen Bewässerungsbedarf von durchschnittlich 6’900 l je Person und Jahr. Die «bundesdeutsche Lust» auf Mandeln führe zu einem weiteren Bewässerungsbedarf von 2’500 l pro Person und Jahr.
Tiefer Selbstversorgungsgrad in Deutschland
Gemäss der WWF-Analyse werden derzeit nur 37 % des in Deutschland verzehrten Gemüses auch in Deutschland angebaut; bei Tomaten seien es sogar «nur» 4 %. Einheimisches Obst erreiche lediglich einen Anteil von knapp 20 %.
Bei Erbsen und Bohnen als wichtige alternative Proteinquellen liege der Anteil bei ebenfalls jeweils rund 20 %.
Fast nicht vorhanden sei der heimische Anbau von Nüssen, die bei einer «planetarisch-kulinarischen» Ernährung aufgrund ihrer wertvollen Inhaltstoffe eine bedeutende Rolle spielten, betonte der WWF. Obwohl zum Beispiel Haselnüsse in Deutschland heimisch seien, stammten 98 % der am Markt angebotenen Menge derzeit aus dem Ausland.
WWF kritisiert Fleisch und Milchprodukte
«Unsere derzeitige Ernährung belastet das Klima stark. Ihr Flächenfussabdruck trägt zur Zerstörung wertvoller natürlicher Lebensräume bei», erklärte WWF-Ernährungsexpertin Tanja Dräger des Teran.
Als «Treiber» nannte sie Fleisch und Milchprodukte. «Wenn der Anteil pflanzlicher Nahrungsmittel im Warenkorb erhöht wird, dann müssen wir ran an deren Lieferketten, um Warenströme und Produktionsweisen nachhaltiger zu gestalten», so Dräger des Teran. Ansonsten stiegen der Verbrauch an Bewässerungswasser und das Wasserknappheitsrisiko.
Der WWF forderte eine ressortübergreifende Ernährungsstrategie nach der Bundestagswahl, in der Ziele und Massnahmen festgelegt werden sollten. Dazu gehörten politische Konzepte für mehr «Made in Germany» bei Obst, Gemüse, Nüssen und Hülsenfrüchten.
Notwendig sei ausserdem ein weitreichendes Lieferkettengesetz, das entlang der gesamten Lieferkette aller Unternehmen neben Menschenrechten auch die Umwelt adressiere und damit einen nachhaltigeren Umgang mit Wasser gerade in wasserkritischen Regionen einfordere.

Da wird weder zwischen grünem, blauem und grauem Wasser unterschieden, noch zwischen Anbau- und Weidefläche.