
Hunderte Bauern haben in Wien für «bessere Zukunftsperspektiven» demonstriert.
Tiroler Bauern/Facebook
Gefordert wird unter anderem eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung bei verarbeiteten Lebensmitteln und «der Abbau bürokratischer Hürden». Die Kundgebung startete vor dem Landwirtschaftsministerium, später ging es zur Abschlusskundgebung vor dem Parlament.
Politisch unabhängig
Die Organisatoren sprachen von mehr als 200 Traktoren, die an dem Demozug entlang der Ringstrasse teilnahmen. Im Vorfeld der Demonstration hatten Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, der Österreichische Bauernbund, die FPÖ und die Umweltschutzorganisation Greenpeace Verständnis für die Anliegen der Bauern gezeigt. «Wir agieren überparteilich und wollen uns nicht parteipolitisch vereinnahmen lassen», sagte Vereinsgründer Sebastian Bauer zur APA.
Man richte die Forderungen unter anderem an das Landwirtschafts-, Wirtschafts- und Gesundheitsministerium, so der Bauernvertreter. Der Verein mit Sitz in Pamhagen (Neusiedl am See) wurde Anfang März ins Vereinsregister eingetragen.
Neues Bündnis für «Schulterschluss»
Angesichts steigender Kosten für Diesel und Dünger sowie stagnierender Preise für landwirtschaftliche Produkte sieht das «Bündnis Zukunft Landwirtschaft» die Existenz «vieler Höfe gefährdet». Ziel der Versammlung sei «ein gemeinsamer Schulterschluss der landwirtschaftlichen Interessenvertretungen, um auf die angespannte wirtschaftliche Lage der Betriebe aufmerksam zu machen».
Die vom «Bündnis Zukunft Landwirtschaft» geäusserten Forderungen sind für Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig «völlig berechtigt». Er habe mit den Organisatoren der Kundgebung bereits am vergangenen Freitag im Landwirtschaftsministerium über diese Anliegen gesprochen. Totschnig hatte zuletzt die Wiedereinführung der Ende 2025 ausgelaufenen Diesel-Steuerbegünstigung für Landwirte und ein Aussetzen der CO2-Grenzsteuer auf Düngemittel gefordert. «Entscheidend ist jetzt der Schulterschluss, damit wir rascher Ergebnisse für unsere Bäuerinnen und Bauern und für die Bevölkerung erzielen», so Bauernbund-Präsident Georg Strasser.
Drei Forderungen
Das Bündnis hat drei Forderungen:
1. Eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung bei Lebensmitteln – lückenlos, in allen Bereichen, ohne Ausnahmen.
2. Bürokratieabbau: Die Überregulierung auf dem Weg von EU-Ebene bis zum einzelnen Betrieb erzeuge unverhältnismässigen wirtschaftlichen und psychosozialen Druck auf den Höfen.
3. Faire Rahmenbedingungen für die Zukunft: Ohne Inflationsabgeltung und Anerkennung ökosozialer Leistungen seien Investitionen in landwirtschaftliche Betriebe nicht finanzierbar.
Im Zentrum der Kritik steht das EU-Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten. Es würde Produkte auf den europäischen Markt bringen, die unter Bedingungen produziert werden, die in der EU verboten sind, kritisiert das Bündnis. Dazu zählen unter anderem bestimmte Pestizide, Regenwaldzerstörung und Tierhaltungsformen, die mit österreichischen Standards nicht vereinbar sind. «Für heimische Betriebe entsteht damit ein Wettbewerb mit ungleichen Regeln», hält das Bündnis fest.

Das Bündnis hat drei Kernforderungen.