Importverbot aufgeboben – US-Viehzüchter unzufrieden

Das US-Landwirtschaftsministerium hat das Einfuhrverbot für mexikanische Rinder aufgehoben und plant, den Handel an einem Grenzübergang in Arizona in 30 Tagen wieder aufzunehmen. Damit kommt das seit über einem Jahr geltende Einfuhrverbot für mexikanische Rinder zu einem Ende.

aiz |

Der Schritt dürfte die seit dem Importstopp stark gestiegenen Rindfleischpreise in den Vereinigten Staaten dämpfen. Die USA planen, die Einfuhr mexikanischer Rinder am Grenzübergang in Douglas, Arizona, aufzunehmen und anschließend noch zwei weitere Grenzübergänge in Mexiko zu eröffnen, berichtet MBI.

Fleischpreise gestiegen

Mexiko liefert in der Regel jährlich etwa eine Million Kälber über die Grenze, was rund 5 Prozent der in den USA verarbeiteten Rinder ausmacht. Die Rinderimporte waren seit letztem Jahr ausgesetzt worden, um die Ausbreitung des fleischfressenden Neuwelt-Schraubenwurms einzudämmen.

Das Fehlen dieser Import hat die Verknappung an Viehbeständen verschärft, was die Fleischverarbeiter unter Druck gesetzt und die Preise für Rinderhackfleisch und Steaks auf Rekordniveau getrieben hatte. Die Detailhandelspreise für Rinderhackfleisch liegen im Durchschnitt bei fast 7 US-Dollar pro Pound, während Sirloin-Steaks laut Regierungsdaten mehr als 14 US-Dollar pro Pound kosten.

Rinderzüchter skeptisch

Die Entscheidung zur Wiederöffnung der Grenze ist umstritten, da US-Rinderzüchter die Ausbreitung eines Parasiten befürchten, der in der Vergangenheit bereits zu Bestandsrückgängen und steigenden Kosten geführt hat. Vertreter der Fleischindustrie erklärten hingegen, die Öffnung der Grenze sei sicher und eine der schnellsten Möglichkeiten, die Rindfleischpreise zu senken und den finanziellen Druck auf die Rinderproduktion im Südwesten zu mindern.

Vertreter der Trump-Regierung stehen unter Druck, die Amerikaner davon zu überzeugen, dass sie Massnahmen zur Eindämmung der Inflation ergreifen. Landwirtschaftsministerin Brooke Rollins erklärte, die Entscheidung bezüglich der Grenze sei in erster Linie zum Schutz der US-amerikanischen Rinderbestände getroffen worden, fügte jedoch hinzu, dass die Aussicht auf ein grösseres Angebot dem Markt helfen könnte.

In USA ausgemästet

«Wir betreiben schon seit sehr, sehr langer Zeit Handel mit lebenden Rindern mit Mexiko. Die Grenzstaaten sind darauf angewiesen, und unsere Herdenbestände sind derzeit gering», sagte Rollins in einem Interview. «Es ist an der Zeit, die Grenze auf sichere Weise wieder zu öffnen.»

Der Import von Rindern aus mexikanischen Ranches in die USA findet seit mehr als einem Jahrhundert statt. Die importierten Tiere werden in US-amerikanischen Mastbetrieben gemästet, bevor sie zu grossen Schlachthöfen transportiert werden, wo sie zu Rindfleisch verarbeitet werden.

Letztmals in den 1960er Jahren

Die Grenze war im November 2024 für Rinderimporte geschlossen worden, nachdem der fleischfressende Neuwelt-Schraubenwurm im Süden Mexikos entdeckt worden war. Die Trump-Regierung nahm die Importe einige Monate später vorübergehend wieder auf, hat den Rinderhandel jedoch seit Mai letzten Jahres eingeschränkt, um eine Ausbreitung des Schädlings in den USA zu verhindern.

Die parasitäre Fliege war seit den 1960er Jahren in den USA nicht mehr aufgetreten. Doch im Juni identifizierten Landwirtschaftsbeamte sie bei einem drei Wochen alten Kalb in Texas. Seitdem wurden Dutzende Fälle in den USA bestätigt, wobei die Fliege bei Rindern und anderen Tieren auftrat. Alle Fälle wurden in Texas gemeldet.

Sterile Fliegen und Desinfektionsbad

Ministerin Rollins erklärte, die Grenzschliessung habe der Behörde Zeit verschafft, den Bau von Anlagen zur Freisetzung steriler Fliegen voranzutreiben, die Überwachung des Parasiten entlang der Grenze zu verbessern und die Kontrollstufen für importiertes Vieh zu verstärken. So werden mexikanische Rinder beispielsweise bei der Einreise an einem US-Grenzübergang durch ein Desinfektionsbad geführt. Weibliche Schraubenwürmer paaren sich nur einmal, sodass sterile männliche Fliegen dazu beitragen, die Population des Parasiten einzudämmen. Rollins sagte, die Situation sei nun unter Kontrolle.

Die Wiederöffnung der Grenze sei «das Wichtigste, was kurzfristig passieren kann», um die Rindfleischversorgung zu verändern, sagte Wesley Batista Filho, Geschäftsführer der US-Sparte von JBS, letzten Monat auf dem Global Food Forum des Wall Street Journal. JBS ist eigenen Angaben zufolge der grösste Fleischverarbeiter der Welt.

Bedrohung für Viehbestand

Einige Viehzüchter, darunter der Rinderhandelsverband R-Calf, der bei hochrangigen Vertretern der Trump-Regierung Anklang gefunden hat, haben sich gegen eine Wiederöffnung der Grenze ausgesprochen. Bill Bullard, der Vorsitzende von R-Calf, sagte, die Grenze solle geschlossen bleiben, bis der Parasit vollständig ausgerottet sei, um das amerikanische Vieh zu schützen. «Das ist eine echte Bedrohung für den US-amerikanischen Viehbestand», erklärte er.

Die Trump-Regierung hat weitere Massnahmen ergriffen, um den Rindfleischpreis zu senken. Das Justizministerium hat eine kartellrechtliche Untersuchung gegen die grössten Fleischverarbeitungsbetriebe des Landes eingeleitet und Pläne angekündigt, kleinere Fleischverarbeitungsbetriebe finanziell zu unterstützen. Vertreter des US-Landwirtschaftsministeriums haben ausserdem die führenden US-amerikanischen Supermarktketten aufgefordert, die Preise für Rindfleisch, das an Kunden verkauft wird, zu senken.

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