
Nach Einschätzung des französischen Bauernverbandes (FNSEA) greift das gut umgerechnte 0.94 Mrd. Franken umfassende Hilfspaket viel zu kurz.
zvg
Kaum ein gutes Haar an dem Dürre-Sonderplan der Pariser Regierung haben die landwirtschaftlichen Verbände in Frankreich gelassen. Nach Einschätzung des französischen Bauernverbandes (FNSEA) greift das gut umgerechnte 0.94 Mrd. Franken umfassende Hilfspaket viel zu kurz. Der FNSEA geht nicht davon aus, dass sich die Betriebe durch die geplanten Hilfsmassnahmen schnell von den finanziellen Folgen der Dürre erholen werden. Der französische Bauernverband mahnt deshalb eine Kurskorrektur an.
Hilfen bei kurzfristigen Bankkrediten
Dem FNSEA fehlt in dem Massnahmenkatalog insbesondere eine Liquiditätshilfe etwa in Form von Hilfen bei kurzfristigen Bankkrediten oder Zahlungsaufschüben. Völlig unzureichend findet der Verband die vom Landwirtschaftsministerium genannte Summe von 20 Mio. Euro (18.70 Mio. Franken) für die Übernahme von Sozialversicherungsbeiträgen.
Bauernpräsident Arnaud Rousseau zeigte sich enttäuscht. Nach seinen Worten können die vorgelegten Massnahmen lediglich einen ersten Schritt darstellen. Er erwarte deshalb in den kommenden Tagen Nachbesserungen seitens der Regierung. «Die Landwirte in allen Regionen, einschliesslich der Überseegebiete, sind nicht an blossen Absichtserklärungen interessiert. Sie benötigen Liquidität, schnelle Zahlungen und konkrete Lösungen», betonte der FNSEA-Präsident.
Hilfen auch am Nachwuchs ausrichten
Auch bei der Junglandwirteorganisation (JA) ist der Sonderplan der Pariser Regierung nicht gut angekommen. Zwar seien etwa die vorgesehenen bedarfsgerechten Entschädigungen aus dem nationalen Solidaritätsfonds (ISN), die Sofortzahlungen oder der eingerichtete Wiederaufbaufonds allesamt Massnahmen, für die sich die Landwirte in den zurückliegenden Wochen stark gemacht hätten und die auch notwendig seien.
Sie griffen jedoch zu kurz, um den wirtschaftlichen Herausforderungen zu begegnen, vor denen die Landwirte jetzt stünden. Auf deutliche Kritik stösst bei der JA zudem, dass etwa die Stundung von Bankkrediten in dem Regierungspapier mit keinem Wort erwähnt sein soll. Gleichzeitig bemängelte die Nachwuchsorganisation, dass es an Massnahmen fehle, die sich speziell an die junge Generation richteten.
Auch wenn Premierminister Sébastien Lecornu die Landwirtschaft zur Top-Priorität erklärt habe, hänge die Finanzierung des von ihm für 2027 angekündigten «Wiederaufbauplans» am Haushaltsgesetz, dessen Verabschiedung noch als unsicher gelte, so die JA. Die Junglandwirteorganisation warnte davor, die notwendigen Anpassungen der französischen Landwirtschaft zum Spielball parteipolitischer Profilierung zu machen. Die Landwirte benötigten Klarheit und verbindliche Zusagen, keine bloßen Ankündigungen.
Fördersumme ist zu gering
Grossen Unmut über das Paket der Pariser Regierung äusserte auch die Confédération paysanne (Conf’). Die angekündigte Fördersumme sei angesichts des aussergewöhnlichen Ausmasses der Krise viel zu gering bemessen. Als einzig neu an den Massnahmen ordnete die Conf’ den von den Präfekten der Regionen und Départements verwalteten Wiederaufbaufonds für die Landwirtschaft ein, auch wenn dieser nicht zur notwendigen Anpassung der Produktion beitrage.