
Die Landwirtschaft trägt rund 2 % zum BIP bei. Etwa zwei Drittel der Produktion entfällt auf die Viehzucht, ein Drittel auf den Ackerbau. Die wichtigsten angebauten Nahrungsmittel sind Weizen, Gerste, Hafer, Kartoffeln, Zuckerrüben und Gemüse. Beim Vieh dominieren Rinder und Schafe.
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Zu den weiteren stark betroffenen Sektoren gehören das Gastgewerbe, der Einzelhandel und das Baugewerbe. Das geht aus einer Analyse der «Bank of England» hervor, die beim englischen Bauernverband (NFU) zu Besorgnis geführt hat.
Angespannten Budgets
In ihrer Analyse kommt die Zentralbank zu der Auffassung, dass die Inflation bei Lebensmitteln aufgrund höherer Energie- und Transportkosten sowie der höheren landwirtschaftlichen Betriebsmittelaufwendungen deutlich mehr Sorgen bereitet als die Preissteigerungen bei den meisten anderen Gütern. Verbandsvizepräsident Paul Tompkins zufolge signalisiert dies, dass die Anfälligkeit landwirtschaftlicher Betriebe nun im Fokus der Banken steht.
Tompkins machte gleichwohl deutlich, dass dieser Bericht für die Landwirte keine Überraschung darstellt. «Wir beobachten seit einiger Zeit steigende Strom-, Kraftstoff- und Düngemittelkosten, die die ohnehin schon angespannten Budgets der Betriebe zusätzlich belasten», so der NFU-Vizepräsident. Die Landwirte könnten die zusätzlichen Kosten nicht verkraften.
Lebensmittel bald deutlich teurer?
Daneben nahm der Verbandsvertreter den ländlichen Raum in den Blick. Auch dort stünden die Haushalte unter finanziellem Druck, da sie mehr Geld für Kraftstoffe aufbringen müssten und oftmals keine Alternativen zur Verfügung hätten. «Das muss man sehr ernst nehmen», so der NFU-Vizepräsident.
Weiter verweist der NFU auf einen Befund in der Analyse, wonach sich Lebensmittel im Jahresverlauf um 6 bis 7 Prozent verteuern könnten. Allerdings befürchtet der Bauernverband, dass diese Aufschläge nicht bei den Farmern ankommen werden. Der NFU geht davon aus, dass auch in den nächsten Monaten Lieferungen die Strasse von Hormus nur schwer passieren können und dadurch die Kosten für Düngemittel und Pflanzenschutzmittel weiter in die Höhe getrieben werden.
Mehrere Gründe
Die gemeinnützige Organisation Energy & Climate Intelligence Unit (ECIU) geht in einer aktuellen Analyse davon aus, dass im Vereinigten Königreich die Lebensmittelpreise bis November 2026 um voraussichtlich 50 Prozent höher liegen werden als zu Beginn der jüngsten Folge von Krisen Mitte 2021. Dies würde laut den Fachleuten bedeuten, dass der Preisanstieg in den fast 20 Jahren vor den Krisen innerhalb von fünf Jahren erreicht würde.
Für die ECIU verdeutlichen die Ergebnisse, wie extreme Wetterereignisse infolge des Klimawandels, globale Lieferengpässe und die anhaltende Abhängigkeit von den volatilen Öl- und Gasmärkten den Druck auf das Lebensmittelsystem verstärkt haben.
Die 2014 gegründete gemeinnützige Organisation ECIU setzt sich aus Vertretern aus Wissenschaft, Parlament und Landwirtschaft zusammen, darunter NFU-Präsident Tom Bradshaw. Sie finanziert sich aus Stiftungsgeldern und Spenden