
Die Schafhalter haben laut der Behörde insbesondere von gestiegenen Lammpreisen infolge eines geringeren Produktionsvolumens profitiert.
Sheila Mahon
Irlands Farmer haben 2025 erneut mehr Geld auf ihren Betrieben erwirtschaftet als im Jahr davor. Das geht aus noch vorläufigen Ergebnissen hervor, die die Landwirtschafts- und Lebensmittelbehörde (Teagasc) auf Basis ihrer nationalen Agrarumfrage ermittelt hat.
Demnach erhöhte sich das durchschnittliche Familienfarmeinkommen (FFI) über alle Betriebsformen hinweg um 49 % auf rund 50'600 Franken (53'842 Euro). Der Behörde zufolge unterstreicht dieses Ergebnis, welchen Beitrag die jüngste Phase höherer Produzentenpreise für Milch, Rinder und Schafe zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit der Betriebe geleistet hat.
Milchviehbetriebe führen Ranking an
Deutlich an der Spitze der Einkommen im Produktionsvergleich liegen weiterhin die irischen Milchfarmen. Laut den Fachleuten kletterte das mittlere Einkommen dieser Betriebe im Jahresvergleich um 41 % auf rund 144'100 Franken (153'319 Euro).
Die Behörde führte diese Entwicklung insbesondere auf die höheren Milchpreise, eine gestiegene Milchproduktion sowie auf bessere Erlöse aus dem Verkauf von Kälbern und Altkühen zurück. Demgegenüber hätten sich 2025 die direkten Betriebskosten insgesamt nur geringfügig verändert.
Einkommensniveau in der Rinderaufzucht spitze
Erneut stark gestiegen sind im Berichtsjahr gegenüber 2024 die Einkommen auf Betrieben der Rinderaufzucht, die ihren Fokus auf die Mutterkuhhaltung zur Fleischproduktion legen. Auf diesen Höfen kletterte das durchschnittliche Einkommen um 74 % auf rund 22'600 Franken (24'061 Euro). Teagasc wertete ein solches Einkommensniveau als «beispiellos». Als einen Grund hierfür nannte die Behörde die deutlich höheren Preise für Jungrinder.
Sonstige Rinderhaltungsbetriebe, darunter Betriebe zur Mast und zur Aufzucht von Mastkälbern beziehungsweise Jungrindern, verzeichneten 2025 den stärksten prozentualen Einkommenszuwachs aller Betriebstypen, und zwar im Schnitt um 81 % auf rund 30'800 Franken (32'798 Euro). Teagasc begründete dies mit deutlich höheren Preisen für Schlacht- und Masttiere, die die gestiegenen Preise etwa für Futtermittel mehr als wettgemacht hätten.
Schafhalter profitieren von höheren Lammpreisen
Die irischen Schafhalter dürften sich 2025 ebenfalls über höhere Einkommen gefreut haben, wenngleich die Zuwächse moderater als in anderen Sektoren ausfielen. Im Mittel verbesserte sich deren Einkommen um 7 % auf rund 27'600 Franken (29'344 Euro). Die Schafhalter haben laut der Behörde insbesondere von gestiegenen Lammpreisen infolge eines geringeren Produktionsvolumens profitiert.
Betriebe profitieren von grösserer GetreideernteIm Ackerbau verbesserte sich das mittlere Einkommen um 33 % auf rund 51'600 Franken (54'916 Euro). Die Behörde führte dies auf eine gute Getreideernte im vergangenen Jahr zurück, die die vergleichsweise niedrigen Produzentenpreise ausgeglichen habe. Gleichzeitig seien die Betriebsmittelkosten nur leicht gestiegen.
IFA sieht Momentaufnahme
Der irische Bauernverband (IFA) wertete das starke Abschneiden einzelner Produktionsrichtungen indes als Momentaufnahme. «Diese Zeit gehört leider der Vergangenheit an», stellte der Vorsitzende des Ausschusses für landwirtschaftliche Betriebsführung, Bill O’Keeffe, fest. Die für 2025 ausgewiesenen Einkommenszahlen spiegelten nicht den Druck wider, dem viele Landwirte derzeit ausgesetzt seien.
Vielmehr sieht der Ausschussvorsitzende die Landwirte derzeit wirtschaftlich so gefährdet wie eh und je. Daher hält er eine Unterstützung seitens der nationalen Regierung im kommenden Haushalt 2027 und durch die Europäische Union über eine gut finanzierte Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) «heute für genauso entscheidend wie in den vergangenen 50 Jahren». Irland ist 1973 – gemeinsam mit dem Vereinigten Königreich und Dänemark – im Rahmen der sogenannten Norderweiterung der Gemeinschaft beigetreten. Seither erhalten die Farmer wie alle Landwirte in der EU Mittel aus dem GAP-Budget.
Deutlich niedrigere Produzentenpreise
O’Keeffe wies darauf hin, dass die von Teagasc vorgelegten Zahlen aus einem Zeitraum stammten, in dem die Produzentenpreise auf einem aussergewöhnlich hohen Niveau gelegen hätten. Seither habe sich die Situation erheblich verändert. Mittlerweile sähen sich die Landwirte in etlichen Sektoren mit deutlich niedrigeren Produzentenpreisen konfrontiert.
Beispielsweise hätten im Mai die Milchgeldzahlungen, die dann üblicherweise ein saisonales Hoch erreichten, um 17 % niedriger gelegen als im Vorjahr.
Auch die Rindfleischpreise seien im Jahresvergleich um mehr als 0.95 Franken (1 Euro) je Kilogramm gesunken, was einem Minus von 15 % entspreche. Die Ackerbauern stünden ebenfalls unter Druck. Die aktuellen Produzentenpreise zur Ernte lägen unter den Produktionskosten.