Die kanadische Regierung setzt alle diplomatischen Hebel in Bewegung, um den Exportzugang zum chinesischen Rapsmarkt wiederherzustellen. Vergangene Woche gab Agrarressortchefin Marie-Claude Bibeau die Gründung einer Arbeitsgruppe bekannt, der auch Führungskräfte aus Erzeugerverbänden und der Industrie angehören.
Sie werde einen „koordinierten und gemeinschaftlichen Ansatz zur Lösung der Marktprobleme“ verfolgen. Am Wochenende zuvor hatte Bibeau ihren chinesischen Amtskollegen Han Changfu in einem Brief gebeten, eine Delegation kanadischer Experten zu empfangen. Der Arbeitsgruppe kommt ebenfalls die Aufgabe zu, mittel- und langfristig neue internationale Märkte zu erschliessen.
Schon Anfang März hatte China Importe des kanadischen Getreidehändlers Richardson International blockiert und Verunreinigungen mit Unkrautsamen und Krankheitserregern geltend gemacht. Mittlerweile kauft das Land so gut wie gar keinen Raps mehr aus kanadischer Produktion, nachdem auch Viterra mit Einfuhrsperren belegt wurde und in der vergangenen Woche ein drittes Unternehmen folgte.
Das trifft die Rapsindustrie in dem nordamerikanischen Land empfindlich: Im Ende Juli abgeschlossenen Vermarktungsjahr 2017/18 wurden von Kanada insgesamt 10,85 Mio. t Rapssaat exportiert, davon allein 4,39 Mio. t oder 39% nach China. Marktexperten schätzen den durch das Importverbot schon jetzt entstandenen Schaden auf 2,7 Mrd. Can$ (2.02 Mrd. Fr.). Pflanzenbauexperten tauschen laut Bibeau nun mit den Behörden in China technische Informationen über die Reinheit des kanadischen Rapses aus.
Auf chinesischer Seite sei Zustimmung signalisiert worden, die Gespräche in naher Zukunft wiederaufzunehmen. Allerdings gilt es seitens politischer Beobachter als fraglich, ob die genannten Gründe tatsächlich für die Blockade ausschlaggebend sind. Vermutet wird dahinter vielmehr eine Reaktion auf die Festnahme der Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou, die auf Drängen der USA Anfang Dezember in Vancouver festgenommen wurde. China weist das allerdings zurück.