
Die Dürre habe gezeigt, wie anfällig der Pflanzenbau gegenüber wechselnden Wetterbedingungen ist.
Renate Hodel
Die diesjährige Dürre hat in Österreich zu erheblichen Ertragseinbussen geführt. Betroffen sind unter anderem Getreide, Zuckerrüben, Kartoffeln, Ölkürbis, Raps, Soja, Mais sowie Obst- und Gemüsekulturen. Gleichzeitig zeigt eine Analyse der für Freilandanwendungen zugelassenen Pflanzenschutz-Wirkstoffe deutliche Lücken bei verschiedenen Kulturen und Schaderregern.
Besonders angespannt ist die Situation bei Ölkürbis, Soja und Zwiebeln. Auch bei Raps, Kartoffeln, Getreide und Wein konzentrieren sich die verfügbaren Wirkstoffe teilweise auf wenige Wirkmechanismen.
Dürre verschärft die Situation
Nach Angaben der Interessengemeinschaft Pflanzenschutz (IGP) zählt die Ernte 2026 zu den schwächsten der vergangenen zehn Jahre. Neben den Ertragseinbussen hätten Schädlinge in vielen Kulturen zusätzliche Schäden verursacht.
IGP-Obmann Christian Stockmar warnt: «Die Kombination aus Klimawandel und zunehmenden Wetterextremen mit steigendem Schaderregerdruck und Wirkstofflücken sollte auch auf europäischer Ebene die Alarmglocken schrillen lassen. Aus schwierigen Erntejahren kann so schnell ein strukturelles Risiko für die Versorgung werden.»
Wenige Wirkmechanismen erhöhen das Risiko
Laut der Analyse vermittelt die Anzahl zugelassener Wirkstoffe häufig eine trügerische Sicherheit. Entscheidend sei nicht die Zahl der Wirkstoffe oder Handelsprodukte, sondern wie viele unterschiedliche Wirkmechanismen tatsächlich zur Verfügung stünden. Entwickelten Schaderreger Resistenzen gegen einen Wirkmechanismus, könnten mehrere Präparate gleichzeitig ihre Wirkung verlieren.
Die Dürre habe gezeigt, wie anfällig der Pflanzenbau gegenüber wechselnden Wetterbedingungen sei. Trockenheit begünstige zunächst abiotische Schäden und fördere die Entwicklung verschiedener Schädlinge. Kehre Feuchtigkeit zurück, steige das Risiko von Pilzkrankheiten. Gleichzeitig konkurrierten Unkräuter unter Stressbedingungen verstärkt mit den Kulturpflanzen um Wasser und Nährstoffe.
Versorgungssicherheit im Fokus
Die IGP sieht darin eine grundsätzliche Herausforderung für die europäische Agrarpolitik. Die Ernährungssicherheit dürfe nicht nur unter durchschnittlichen Wetterbedingungen funktionieren, sondern müsse auch mehreren Belastungen gleichzeitig standhalten.
Deshalb fordert die Organisation schnellere Innovations- und Zulassungsverfahren für neue Wirkstoffe, biologische Lösungen, digitale Pflanzenschutzverfahren sowie eine stärkere Berücksichtigung der verfügbaren Wirkmechanismen bei regulatorischen Entscheidungen.
Unterschiede zwischen den Kulturen
Besonders kritisch beurteilt die IGP die Situation bei Ölkürbis, Soja und Zwiebeln, wo nur wenige wirksame Bekämpfungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Auch bei Raps, Kartoffeln, Getreide, Mais und Wein bestehen laut Analyse erhebliche Risiken durch begrenzte Wirkmechanismen oder zunehmende Resistenzen. Zwar stehen bei einigen Kulturen zahlreiche Wirkstoffe zur Verfügung, deren Vielfalt täusche jedoch oft über die tatsächlichen Einschränkungen hinweg.