
Die Nager dringen auch in Häuser, Schuppen und Lagerräume ein.
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Videos zeigen ein Meer aus Mäusen. Sie huschen nachts zu Tausenden unter Getreidesilos herum und über bereits kahlgefressene Felder. Für Australiens Landwirte und Landwirtinnen sind die Nager eine wirtschaftliche Katastrophe.
Es ist nicht die erste Mäuseplage, die Australien heimsucht. Bereits 2021 verursachten die Nager nach Angaben des Nachrichtenportals «agrarheute» Schäden in Höhe von rund einer Milliarde US-Dollar. Damals lag das Zentrum der Plage vor allem im Bundesstaat New South Wales. Die aktuelle Mäuseinvasion trifft den Westen und den Südosten Australiens.
Ein regelrechter «Mäusehimmel»
Früher folgten Mäuseplagen oft auf Regenperioden nach extremer Dürre. Diesmal sei die Situation jedoch anders, erklärt die Landwirtin Belinda Eastough gegenüber dem «Spiegel» unter Berufung auf einen Bericht der BBC: «Vergangenes Jahr hatten wir eine Rekordernte, die den Mäusen reichlich Nahrung gegeben hat.»
Hinzu seien Sommerniederschläge gekommen, die weiteres Pflanzenwachstum ermöglicht hätten. Dadurch habe sich das Nahrungsangebot für die Tiere über Monate hinweg gehalten. Eastough spricht deshalb von einem regelrechten «Mäusehimmel». Anders als bei früheren Plagen sei die Population nicht eingebrochen, weil den Tieren das Futter noch nicht ausgegangen sei.
Mäuse folgen Saatrillen
Nach Darstellung von «agrarheute» könnten zudem veränderte Anbaumethoden zur Ausbreitung beigetragen haben. Früher war das kontrollierte Abbrennen von Stoppeln auf Feldern eine indirekte Methode, um Mäusepopulationen kleinzuhalten. Als einen wichtigen Grund für die aktuelle Situation nennen Experten die sogenannte No-Till-Landwirtschaft, also Direktsaat und Stoppelruhe.
Diese Methoden gelten zwar als bodenschonend, bieten den Nagern jedoch einen weitgehend ungestörten Lebensraum. Da das Getreide zudem in Reihen ausgebracht wird, hätten die Tiere gelernt, den Saatrillen zu folgen und die frisch gesäten Körner systematisch auszugraben und zu fressen, berichtet «agrarheute».
Bis 10'000 Mäuse pro Hektar
Das Ausmass der Plage zeigt die Online-Plattform «MouseAlert». Dort können Landwirte Mäuseaktivitäten melden und dokumentieren. Die Karte weist inzwischen zahlreiche Hotspots von der Ostküste bis nach Westaustralien aus.
Wie schlimm die Lage ist, verdeutlichen auch die Ausführungen des Mäuseforschers Steve Henry von der australischen Forschungsorganisation CSIRO. Laut dem Forscher spricht man ab 800 Tieren pro Hektar von einer Plage. Aus Westaustralien würden jedoch Berichte über 3'000 bis 4'000 Mäusebauten pro Hektar eingehen, erklärte Henry laut «agrarheute». In manchen Regionen schätzt Landwirtin Eastough die Population sogar auf 8'000 bis 10'000 Mäuse pro Hektar, wie der «Spiegel» berichtet.
Und es bleibt nicht bei den Mäusen auf dem Feld. Die Nager dringen auch in Häuser, Schuppen und Lagerräume ein. Der Landwirt Geoff Cosgrove schilderte in verschiedenen Medienberichten, die Tiere liefen nachts durch Decken und Klimaanlagen. «Ich kann sie hören und riechen – es stinkt wie ein verwesender Körper», so Cosgrove.
Auf Pestizidzulassung gedrängt
Wann die Plage endet, lässt sich derzeit nur schwer abschätzen. Normalerweise brechen Mäusepopulationen erst ein, sobald Nahrung knapp wird. Eine leise Hoffnung gibt es laut «Spiegel» dennoch: Die australische Pestizidaufsicht hat kürzlich eine Notfallgenehmigung für einen stärkeren Mäuseköder erteilt.
Das Präparat ZP50 enthält mit 50 Gramm Zinkphosphid pro Kilogramm die doppelte Wirkstoffmenge herkömmlicher Köder. Nach Angaben von «Spiegel» und «agrarheute» soll bereits ein einziges behandeltes Korn ausreichen, um eine Maus zu töten. Viele Landwirte hatten seit Monaten auf die Zulassung gedrängt, weil die bisher eingesetzten Mittel nicht ausreichend wirksam waren.