
Landwirte versprühen tausende Liter Milch an der Protestaktion in Deutschland.
BDM e.v.
Ende Mai haben Landwirte etwa 300’000 Liter Milch auf einem Feld im deutschen Bundesland Niedersachsen mit Güllefässern ausgebracht. Diese Protestaktion sollte laut Medienmitteilung des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) die systematische Entwertung bäuerlicher Arbeit und der Leistung ihrer Tiere öffentlich sichtbar machen. «Die eigentliche Verschwendung findet nicht heute auf diesem Feld statt – sondern täglich in einem Markt, der hochwertige Lebensmittel systematisch entwertet», so die Botschaft.
«Alleingelassen»
«Während Handel und Ernährungsindustrie ihre Gewinne und ihre Position absichern, werden die Erzeuger mit den Folgen politischer Fehlentscheidungen alleingelassen», so BDM-Vorsitzender Karsten Hansen und Kjartan Poulsen, Vorsitzender European Milk Board (EMB). Die Aktion sei Teil eines europäischen Protests gegen die anhaltende Untätigkeit in der Agrarpolitik.
«Die Milchviehhalter sind bereit, Verantwortung für ihren Markt zu übernehmen, aber es muss gewährleistet sein, dass dies organisiert und damit marktwirksam geschehen kann»
Die Krisen im Milchmarkt würden laut Mitteilung nicht zufällig entstehen, sondern seien Folgen politischer Rahmenbedingungen, die Überproduktion begünstigen und die Marktstellung der Erzeuger systematisch schwächen würden. Kosten für Energie, Futter, Maschinen, Bau und Auflagen würden kontinuierlich steigen, während der Milchpreis von Molkereien, Handel und Weltmarkt bestimmt würden.
Fehlt Verhandlungsmacht
Den Höfen fehle dabei eine echte Verhandlungsmacht. Vielen Betrieben bleibe deshalb nur eine Möglichkeit, um wirtschaftlich zu überleben: mehr produzieren und auf die eigene Entlohnung verzichten. Doch genau diese Dynamik verschärfe die Krise weiter.
Mit ihrer Aktion fordern BDM und EMB konkrete politische Massnahmen: die Aktivierung eines freiwilligen Lieferverzichts auf EU-Ebene zur Stabilisierung des Marktes, verbindliche Verträge mit klaren Vereinbarungen zu Preis, Menge, Qualität und Laufzeit vor der Lieferung sowie grundlegende Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik und der Gemeinsamen Marktordnung. «Die Milchviehhalter sind bereit, Verantwortung für ihren Markt zu übernehmen, aber es muss gewährleistet sein, dass dies organisiert und damit marktwirksam geschehen kann», erklärte Kjartan Poulsen.