Naturpark: Der Jestetter Zipfel macht das Loch zu

Der Park soll sich vom Kanton zu den Enklaven Rüdlingen und Buchberg hinziehen. Für den zusammenhängenden Zusammenschluss braucht es die deutschen Gemeinden Lottstetten und Jestetten. Sie haben Ja gesagt.

Thomas Güntert |

Der Park soll sich vom Kanton zu den Enklaven Rüdlingen und Buchberg hinziehen. Für den zusammenhängenden Zusammenschluss braucht es die deutschen Gemeinden Lottstetten und Jestetten. Sie haben Ja gesagt.

Gustav Munz  und der Biologe Bernhard Egli vom Fachausschuss «Regionaler Naturpark Schaffhausen» stellten das grenzüber-schreitende Projekt dem Lottstetter Gemeinderat vor. «Ohne Landwirte macht es keinen Sinn», betonte Munz.

Im Parkperimeter waren im Jahr 2009 auf einer Nutzfläche von 140 Quadratkilometer rund 550 Landwirtschaftsbetriebe mit einer durchschnittlichen Betriebsgrösse von 31 Hektar ansässig. 32 Betriebe vermarkten Produkte in Eigenregie, die restlichen Bauern produzieren für Genossenschaften.

Noch eine Handvoll

Die Landwirte in den ehemaligen deutschen Bauerndörfern Lottstetten und Jestetten lassen sich mittlerweile an einer Hand abzählen. Obstbauern gibt es aber noch. Der Fokus des Parkprojekts liegt in den Themen Rebbau, Randen und Rhein.

Martin Russ, Gemeinderat und Landwirt, kritisierte, dass im bestehenden Fachausschuss kein deutscher Vertreter sitzt. Er kann sich dort beispielsweise ein Mitglied des Deutschen Bauernverbandes vorstellen. Zudem befürchtet Russ, dass deutsche Bauvorhaben innerhalb des Naturparks künftig von den Schweizer Stimmrechten abhängig sind. Bürgermeister Jürgen Link betonte, dass ein solcher Naturpark keine Rechtskraft auf Deutschland hat.

Vorteile überwiegen

Ausser Mitgliedsbeiträge kommen keine Auflagen auf die Gemeinde zu. «Für uns ist das Naturpark-Label natürlich sehr interessant, da die landwirtschaftlichen Produkte im Obst- und Weinbau ohnehin unsere Stärken sind» meint Jürgen Link.

Die Frage, wie sich ein mögliches Atomendlager auf die Parkgenehmigung auswirke, sorgte bezüglich des möglichen Endlagers «Südranden» für Brisanz. Die Schweizer Gemeinden Beringen, Guntmadingen, Neuhausen, Neunkirch und Wilchingen wären dann Standortgemeinden eines Atommülltiefenlagers mit Naturparkstatus. Zudem ist im benachbarten Zürcher Weinland das mögliche Endlager für hochradioaktive Abfälle «Zürich Nordost».

Zollsituation wie früher

Bernhard Egli erklärte, dass jedes  Projekt für sich ein Baustein der Agglomeration ist. Die meisten Lottstetter Gemeinderäte befürworten das Projekt und sehen es als Brücke über die mental immer grösser werdenden Landesgrenzen. «Dann sind wir ein natürliches Zollausschlussgebiet» sagte Gemeinderat Axel Holzscheiter. Er verglich die Situation mit dem ehemaligen Zollausschlussgebiet, das von 1840 bis 1935 fast 100 Jahre im Jestetter Zipfel bestand.

Am 10. März kann die Gründungsversammlung der neuen Trägerschaft mit den beteiligten Gemeinden stattfinden. Die Entscheidung, ob der 258 km2 grosse Naturpark gefördert wird, fällt im August 2013. Dann wollen Bund, Kanton, Trägergemeinden und Sponsoren in der vierjährigen Errichtungsphase knapp drei Millionen Franken investieren. Nachdem Jestetten einstimmig für den Beitritt gestimmt hat, haben nun auch die Lottstetter Gemeinderäte grünes Licht gegeben. Allerdings mit zwei Gegenstimmen.

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