Beim Aushandeln von Pachtpreisen am landwirtschaftlichen Bodenmarkt haben Landwirte mehr Macht als Akteure, die nicht selbst Landwirtschaft betreiben. Zu diesem Ergebnis kommen Agrarökonomen der Humboldt-Universität zu Berlin, der Purdue University in den Vereinigten Staaten sowie der Universitäten in Göttingen und Tübingen.
Die Wissenschaftler haben für ihre jetzt im European Review of Agricultural Economics veröffentlichte Studie den deutschen Bodenmarkt unter die Lupe genommen.
Auf Grundlage der von ihnen erhobenen Daten kommen sie etwa zu dem Ergebnis, dass Landwirte, die Ackerland verpachten, dafür durchschnittlich knapp 200 Euro (189 Franken) je Hektar fordern. Demgegenüber begnügen sich Verpächter ohne landwirtschaftlichen Hintergrund durchschnittlich mit rund 165 Euro (156 Franken) je Hektar.
Als landwirtschaftliche Verpächter werden in der Forschungsarbeit Personen berücksichtigt, die in einem Fragebogen angegeben haben, sowohl in der Landwirtschaft tätig zu sein als auch Erfahrung als Verpächter von Agrarflächen mitzubringen. Weiterer Gegenstand der Untersuchung war die räumliche Distanz zwischen dem zur Verpachtung stehenden Land und den Verpächtern. Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass vor Ort lebende Akteure über eine grössere Verhandlungsmacht verfügen als entfernter ansässige.
Als möglichen Grund für ihre empirischen Ergebnisse nennen die Wissenschaftler den Wissensvorsprung ortsansässiger Landwirte auf dem lokalen Bodenmarkt. Sie räumen allerdings ein, dass dieses Argument nicht bei professionellen Investoren greift, die selbst Zugang zu Expertenwissen haben.
Mit ihrer Forschungsarbeit will die internationale Forschergruppe einen Beitrag zu der Debatte leisten, ob Finanzinvestoren die Pachtpreise in die Höhe treiben und Pachtzinsen deshalb gedeckelt werden sollten.
