
Innovative Ideen, rund um Pflanzenschutzmittel werden in den Niederlanden unterstützt.
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Das niederländische Landwirtschaftsministerium hat gemeinsam mit Interessenvertretern der Agrarwirtschaft und des Detailhandel eine Rahmenvereinbarung zur Verringerung der Umweltbelastung durch Pflanzenschutzmittel bis 2040 getroffen.
Negative Auswirkungen reduzieren
Das Ministerium unterfüttert das Vorhaben mit einem Förderetat von 250 Millionen Euro (235 Millionen Franken) für Innovationen im integrierten Pflanzenbau sowie für den Wissenstransfer in die Praxis. Das geht aus einem Schreiben hervor, das Agrarstaatssekretär Silvio Erkensan die Zweite Kammer des niederländischen Parlaments übermittelt hat.
Zu den Unterzeichnern der Vereinbarung zählen der Bauernverband LTO, der Junglandwirteverband NAJK, die Branchenorganisation Ackerbau (BO Akkerbouw), das Netzwerk der Unterglasanbauer Greenports Nederland, der Verband des Lebensmitteleinzelhandels (CBL), der Gemeindeverband VNG und der Dachverband der Wasserverbände (Unie van Waterschappen).
«Wir machen jetzt einen wichtigen Schritt, um die negativen Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln zu verringern», erklärte Erkens. Im Mittelpunkt stünden dabei die Widerstandsfähigkeit und die Wettbewerbsfähigkeit von Landwirtschaft und Gartenbau. Zudem solle geprüft werden, wie sich hochtechnologische Lösungen nutzen liessen, um kritische Wirkstoffe künftig ganz zu ersetzen oder deutlich zielgerichteter einzusetzen.
Flickenteppich regionaler Vorschriften
Der Staatssekretär verwies auf die wachsenden Herausforderungen beim Schutz der Kulturen vor Krankheiten, Schädlingen und Unkraut. Das Angebot an Pflanzenschutzmitteln werde immer kleiner, während die Zulassung neuer Produkte nur langsam vorankomme. Gleichzeitig begünstige der Klimawandel die Ausbreitung neuer Schadorganismen. Vor diesem Hintergrund benötigten die Betriebe dringend wirksame und nachhaltige Alternativen. Zudem schaffe die Vereinbarung Planungssicherheit und solle einen Flickenteppich regionaler Vorschriften verhindern.
Von September dieses Jahres bis Ende 2026 sollen die beteiligten Teilsektoren konkrete Massnahmen und messbare Reduktionsziele entwickeln. Dabei wird die wissenschaftliche Expertise der Universität Wageningen einbezogen. Kurzfristig soll die Verringerung der Umweltbelastung mithilfe des Nationalen Umweltindikators (NMI) erfasst werden. Langfristig ist die Steuerung auf einzelbetrieblicher Ebene nach Massgabe des Umweltindikators Pflanzenschutz (MIG) vorgesehen. Für die Jahre 2030 und 2035 sind Zwischenbewertungen geplant. Darüber hinaus will das Landwirtschaftsministerium bis Januar 2027 eine unabhängige Behörde einrichten, die Daten zum Pflanzenschutzmitteleinsatz und dessen Umweltwirkungen bündeln und auswerten soll.
Unterglasanbauer fordern mehr Geld
LTO-Präsident Ger Koopmans kritisierte, dass Provinzen und Gemeinden zunehmend eigene Vorschriften bis hin zu Anbau- oder Pflanzenschutzmittelverboten erliessen. «Mit der Rahmenvereinbarung kann dieser unpraktikablen Praxis ein Ende gesetzt werden», betonte er. Hilde Coolman vom Junglandwirteverband NAJK warnte, dass die Regierung bei einem Scheitern der Gespräche mit den Sektoren eigene Massnahmen ergreifen werde.
Dazu gehöre nach den Vorgaben des Koalitionsvertrags auch ein schrittweiser Verzicht auf Pflanzenschutzmittel in bestimmten Gebieten. «Wir sind davon überzeugt, dass es im Interesse unserer Mitglieder liegt, dies zu verhindern», erklärte Coolman.
Nach Ansicht von Adri Bom-Lemstra, Präsidentin von Greenports Nederland, ist das vorgesehene Budget von 250 Millionen Euro (235 Millionen Franken) lediglich ein erster Schritt. Für die rasche Umsetzung investitionsintensiver Massnahmen sowie für mögliche Entschädigungen der Produzente bei weitreichenden Auflagen werde deutlich mehr Geld benötigt.
Naturschutz nicht an Bord
An den Verhandlungen waren auch die Naturschutzorganisationen Natuur & Milieu und LandschappenNL beteiligt. Beide verzichteten jedoch auf eine Unterzeichnung der Vereinbarung. Natuur & Milieu begründete dies damit, dass die getroffenen Absprachen zu vage und unverbindlich seien. Wichtige Grundsätze wie das Vorsorgeprinzip würden nicht ausreichend berücksichtigt. Zudem bleibe offen, wie sensible Naturräume sowie Wohn- und Schulstandorte künftig besser vor Pestizidbelastungen geschützt werden sollten.
Kritisiert wurde ferner, dass eine Verschärfung der Bewertungsmassstäbe für chemische Pflanzenschutzmittel nicht vorgesehen sei. Dies sei insbesondere mit Blick auf die Wiederherstellung einer guten Wasserqualität problematisch.