
Die schlechte Stimmung auf den den deutschen Betrieben hat sich jetzt auch im Agrarbarometer der Landwirtschaftlichen Rentenbank niedergeschlagen.
zvg
Deutschlands Landwirte ächzen seit Längerem unter massiven Kostensteigerungen bei Energie und Düngemitteln, gepaart mit zum Teil niedrigen Produzentenpreisen. Die schlechte Stimmung auf den Betrieben hat sich jetzt auch im Agrarbarometer der Landwirtschaftlichen Rentenbank niedergeschlagen. Das Agrar-Geschäftsklima ist auf minus 2,9 Punkte gesunken und markiert damit den niedrigsten Stand seit 2016. Im März 2026 hatte der Wert bei minus 2,6 Punkten gelegen.
Über alle Betriebsformen hinweg
Nach Angaben der Rentenbank hat sich die Beurteilung der aktuellen wirtschaftlichen Lage bei den befragten Landwirten um 1,4 Punkte auf jetzt minus 2,6 Punkte verschlechtert. Dies zeigt sich über alle Betriebsformen hinweg, besonders deutlich im Ackerbau mit minus 4,1 Punkten. Etwas weniger pessimistisch sind die Landwirte dagegen beim Ausblick auf die kommenden zwei bis drei Jahre.
Die Bewertung der zukünftigen wirtschaftlichen Lage verbesserte sich gegenüber März von minus 3,9 auf minus 3,2 Punkte. Dieser Beurteilung liegt der Rentenbank zufolge im Wesentlichen die Erwartung zugrunde, dass sich die Verkaufspreise für landwirtschaftliche Erzeugnisse erholen und die Betriebsmittelpreise sinken werden. Knapp die Hälfte der Befragten hat die Zukunftsaussichten gegenüber März nicht geändert; 11% bewerten sie als günstiger oder sehr viel günstiger.
Investitionstätigkeit leicht gestiegen
Das Agrarbarometer zeigt zudem, dass die Landwirte trotz der gedämpften Stimmung in den vergangenen zwölf Monaten wieder mehr investiert haben. Drei Viertel gaben in der Umfrage an, Geld in die Hand genommen zu haben; im März waren es 71% gewesen. Besser sieht es mit der Investitionsbereitschaft auch beim Blick nach vorn aus. 57% der Befragten planen, in den kommenden zwölf Monaten zu investieren, nach 55% bei der letzten Befragung.
Das tatsächlich getätigte Investitionsvolumen weiche allerdings von dem im Vorjahreszeitraum geplanten Umfang ab, so die Rentenbank. Das sei eine Entwicklung, die man seit 2025 beobachten könne. Dies liege daran, dass die Preisschwankungen der letzten Monate und die geopolitischen Unsicherheiten die betrieblichen Planungen zunehmend erschwerten.
Beurteilung der Liquidität verschlechtert
Verschlechtert hat sich gegenüber der März-Umfrage die Bewertung der betrieblichen Liquidität. Dennoch wird diese weiterhin von mehr als 75% der Landwirte als mittel bis sehr gut bewertet. Der Anteil der Landwirte mit der Einschätzung einer guten oder sehr guten betrieblichen Liquidität sank jedoch im Vergleich zum Frühjahr deutlich.
Nikola Steinbock, Sprecherin des Vorstands der Rentenbank, sieht im aktuellen Agrarbarometer «in Warnsignal, aber kein Grund, den Blick nur auf die Probleme zu richten». Die landwirtschaftlichen Betriebe zeigten trotz schwieriger Rahmenbedingungen Resilienz und investierten weiter in ihre Zukunft. Entscheidend sei es jetzt, aus dieser Widerstandsfähigkeit neue Perspektiven zu machen, «mit verlässlichen Rahmenbedingungen, Innovation und Investitionen, die den Betrieben helfen, auch in unsicheren Zeiten handlungsfähig zu bleiben».