Ärger um Edekas Schweineverträge

Deutschlands Schweinehalter kritisieren Edeka NST wegen des Umgangs mit Verträgen im «Bauernschätze»-Programm. Die ISN wirft der Regionalgruppe vor, Betriebe zu einem neuen Preismodell gedrängt und einzelnen Mäster kurzfristig gekündigt zu haben.

Deutschlands Schweinehalter sind verärgert über das Vertragsgebaren der Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen (NST). Konkret geht es um das Bauernschätze-Programm, das die Edeka-Regionalgruppe zur Vermarktung regionaler Fleisch- und Wurstwaren 2023 eingeführt hatte.

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) wirft Edeka vor, die auf Basis von Kostpreis-Modellen geschlossenen Verträge mit Schweinehaltern im Frühjahr gekündigt und die Betriebe zum vorzeitigen Umstieg auf ein Vertragsangebot mit einem Zuschlags-Preismodell gedrängt zu haben. Schweinehaltern, die seinerzeit in einem alten Vertrag geblieben seien, sei nun fristlos und äusserst kurzfristig gekündigt worden.

Kritik an Art und Weise der Kündigung

Gegenüber AGRA Europe machte ISN-Geschäftsführer Torsten Staack am 29. September 2026 deutlich: «Wir kritisieren keine Kündigungen, die im Rahmen ordentlicher Kündigungsfristen erfolgen – so sind nun einmal die Regeln. Was wir kritisieren, ist die Art und Weise der Kündigung – und dabei zählt jeder Betroffene, egal wie groß oder klein der Betrieb ist.»

Staack zufolge sagt der blosse Anteil an Betrieben, der sich für eine weitere Teilnahme an einem Programm entschieden hat, wenig aus. Denn es stelle sich die Frage, warum Landwirte einer Vertragsumstellung von einem Kostpreis- auf ein Zuschlags-Modell zustimmten, obwohl sie wüssten, dass dieser Wechsel mit einer deutlichen Konditionenverschlechterung einhergehe. «Warum macht man das? Spielt hier möglicherweise ausgeübter Druck eine Rolle?», so Staack.

Ausrichtung auf langfristige Lieferverträge

Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen erläuterte auf Nachfrage, dass zum 1. April 2026 das Vertragswerk für Betriebe der Haltungsform 3 (HF 3) mit oder ohne ITW-Teilnahme auf eine tragfähige, marktgerechte und langfristige Ausrichtung umgestellt worden sei.

$Die neue Vertragslaufzeit reiche bis zum 31. Dezember 2030. Dies sei in Abstimmung mit dem Bündler ProFarm GmbH und den bereits vorhandenen Vertragslandwirten geschehen. Die Edeka-Regionalgruppe betonte, dass es ihr dabei insbesondere um eine Umstellung der bislang kurzfristigen auf langfristige Verträge gegangen sei, um für alle Seiten mehr Planbarkeit zu erreichen. Zugleich habe man eine nachvollziehbare, transparente und marktorientierte Preisbasis schaffen wollen.

Das Ergebnis der drei Parteien sei die genannte Laufzeitverlängerung bis Ende 2030 und ein «überdurchschnittliches» Zuschlagsmodell für die Mastbetriebe auf die Notierung der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) mit umgerechnet ca. 36 Rappen je Kilogramm plus ITW-Zuschlag von 7,50 Euro/Stück (6,92 Franken/Stück) und Zuschlagssystem über die Maske.

Zwei Mastbetrieben gekündigt

Rund 84% der Vertragslandwirte haben sich Edeka NST zufolge für das neue Modell ab dem 1. April und die Fortführung einer dauerhaften Partnerschaft entschieden. Etwa 14% der Vertragslandwirte hätten sich gegen eine Verlängerung oder Vertragsumstellung entschieden. Deren Verträge seien fristgerecht bis 30. September 2026 ausgelaufen.

Zwei Vertragsmäster mit einem aktuellen Volumen von nur 1,7% der Vertragsschweine der EDEKA NST seien trotz langwieriger Vertragsverhandlungen von Februar bis September 2026, in denen auch grosszügige Prämienangebote zur Vertragsumstellung unterbreitet worden seien, nicht bereit gewesen, in neue längerfristige Verträge zu gehen, betonte die Regionalgruppe, was man ausdrücklich bedauere. Diese beiden Mastbetrieben sei mit Vorankündigung zum 24. September 2026 gekündigt worden.

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