Russische Ackerbauern geraten unter Druck

Probleme beim Getreideexport und fehlende Liquidität setzen Russlands Ackerbauern unter Druck. Branchenvertreter warnen, dass vielen Betrieben das Geld für die Herbstaussaat fehlt – mit möglichen Folgen für die Ernte 2027.

AgE |

Die aktuellen Probleme beim Getreideexport lassen in Russland ernste Sorgen um die Ernte 2027 aufkommen. Der Grund dafür ist laut dem Portal Agroinvestor die bevorstehende Aussaat des Wintergetreides, für die vielen Landwirten schlicht das Geld fehlt. Arkady Zlochevsky, Präsident der Russischen Getreideunion (RGU), erklärte im Interview mit Business Online, dass die Getreidepreise auf dem heimischen Markt bereits stark gesunken seien, weil die neue Ernte aufgrund der stockenden Exporte nicht abfliessen könne.

Um an Geld zu gelangen, müssten die Betriebe zumindest einen Teil ihrer Ernte verkaufen, betonte Zlochevsky. Potenzielle Käufer zeigten jedoch in Erwartung weiter fallender Preise häufig kein Interesse. Zudem fehlten den Ackerbaubetrieben Lagerkapazitäten für die neuen Erntemengen. Gleichzeitig seien neue Kredite nur schwer erhältlich, während die Rückzahlung bestehender Darlehen weiterlaufe.

«Infolgedessen bleibt nur noch der Bankrott», brachte es der RGU-Präsident auf den Punkt. Helfen könne der Staat beispielsweise mit einem Moratorium für die Rückzahlung von Darlehen oder zumindest mit einer Stundung. Eine weitere Möglichkeit wären die bereits diskutierten staatlichen Interventionskäufe.

Situation bleibt angespannt

Auch Jaroslaw Kabakow von der Investmentgesellschaft Finam beurteilt die Lage als kritisch: «Jetzt wird Geld für Saatgut, Düngemittel, Treibstoff und die Rückzahlung von Krediten benötigt, und es wird immer schwieriger, die Ernte zu einem angemessenen Preis zu verkaufen.» Das Überangebot verbleibe auf dem Inlandsmarkt und setze die Preise zusätzlich unter Druck.

Allerdings seien die fälligen Kreditverbindlichkeiten der Landwirte zuletzt zurückgegangen. Deshalb sei es verfrüht, von einer Welle von Insolvenzen zu sprechen.

Dennoch belasteten die hohen Finanzierungskosten die Agrarbranche weiterhin. Ein erheblicher Teil der Schulden sei an variable Zinssätze gebunden, erklärte Kabakow. Er geht davon aus, dass grosse Landwirtschaftsbetriebe den Preisrückgang besser verkraften können, da sie leichter Zugang zu Krediten hätten und ihre Ernte länger einlagern könnten.

Regierung setzt auf Unterstützung

Das Moskauer Landwirtschaftsministerium dürfte alles daran setzen, das Produktionsniveau bei Getreide zu halten. Eine Verringerung der Anbaufläche würde die Ernährungssicherheit gefährden und einen kaum kontrollierbaren Prozess auslösen, warnte der stellvertretende Landwirtschaftsminister Maxim Borovoy an einem Branchentreffen. Gleichzeitig zeigte er sich zuversichtlich, dass die Exportprobleme überwunden werden können. Das Ministerium hat bereits staatliche Interventionskäufe von Getreide vorgeschlagen, um Überschüsse vom Markt zu nehmen und die Getreidepreise zu stabilisieren.

Unterdessen kündigte Premierminister Michail Mischustin an, dass die Regierung mehr als 9,5 Milliarden Rubel (88,4 Millionen Franken) zur Subventionierung des Getreidetransports auf der Schiene bereitstellen werde. Geplant sei, die Transportrouten anzupassen und Getreide aus mehreren russischen Regionen verstärkt zu den Häfen an der Ostsee, im Fernen Osten und am Kaspischen Meer zu transportieren. Zugleich stellte Mischustin klar, dass der Kreml im Bedarfsfall sowohl die landwirtschaftlichen Produzenten als auch die betroffenen Regionen unterstützen werde. 

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