
Vom Moskauer Landwirtschaftsministerium wurde indes noch keine Ernteprognose vorgelegt.
zvg
Russlands Landwirte werden in diesem Jahr vermutlich wieder so viel Getreide ernten wie 2025. Darauf deuten verschiedene aktuelle Schätzungen hin. Das Institut für Agrarmarktstudien (ICAR) rechnet jetzt mit einem Weizenaufkommen von 90 Mio. Tonnen; im Vorjahr waren rund 91 Mio. Tonnen eingebracht worden. An Gerste werden 18 Mio. Tonnen erwartet. Bei den Weizenexporten im Wirtschaftsjahr 2026/27 geht das ICAR von 46,5 Mio. Tonnen aus; die Ausfuhren an Gerste sollen bei 4,5 Mio. Tonnen liegen.
Ohne die «neuen Regionen»,
Ähnlich schätzt der Logistikkonzern Rusagrotrans die Lage ein. Er beziffert die diesjährige Weizenernte auf 90,8 Mio. Tonnen, eher noch mehr bei günstigen Wetterbedingungen. Nur leicht darunter liegt das Moskauer Forschungszentrum für Agrarökonomie (Sovecon). Die dortigen Marktexperten stellen eine Weizenernte von 89,7 Mio. Tonnen in Aussicht, darunter 66,7 Mio. Tonnen Winterweizen. Zugleich warnen sie davor, dass die riskanteste Phase für die Bestände noch bevorstehe. Die Temperaturen in Zentralrussland und im Süden des Landes könnten nochmals deutlich absinken.
Vom Moskauer Landwirtschaftsministerium wurde indes noch keine Ernteprognose vorgelegt. Ressortchefin Oksana Lut erwartet nach eigenen Worten aber «eine gute Getreideernte, trotz einer erheblichen Verzögerung beim Tempo der Aussaatkampagne». Die 2025 eingefahrene Getreidemenge lag nach Angaben der Ministerin bei 144,6 Mio. Tonnen. Der Nationale Statistikdienst (Rosstat) gibt das letztjährige Getreideertrag mit 141,2 Mio. Tonnen an, allerdings ohne die «neuen Regionen», also die von Russland in Beschlag genommenen Flächen in der Ostukraine.
Hohes Exportpotenzial bei Zucker
Lut zufolge haben bei der laufenden Frühjahrsbestellung ein Temperaturrückgang und starke Schneefälle in einigen Regionen Russlands die Feldarbeiten behindert. Laut Prognose des Landwirtschaftsministeriums werden unter anderem auf rund 1,17 Mio. Hektar Zuckerrüben ausgesät; das wären etwa 2,5% weniger als im Vorjahr. Die Zuckerproduktion sehen die Marktexperten bei 6,31 Mio. Tonnen, nach 6,4 Mio. Tonnen im Vorjahr.
Das ICAR wies darauf hin, dass Russland in der Saison 2025/26 noch über ein erhebliches Exportpotenzial an Zucker verfüge, wenn man die in den Vorjahren angesammelten Reserven berücksichtige. Nach Angaben der Marktexperten sind die Zuckerexporte im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 28% auf mehr als 190ß000 Tonnen gestiegen; die dabei erzielten Einnahmen legten sogar um 37% auf 125 Mio. $ (96,81 Mio. Euro) zu.