Er sehe viele Farmbesitzende, die sich im Moment beklagten, erzählte der Landarbeiter aus der 150 Kilometer von Kapstadt entfernten Kleinstadt der AFP. Der 33-Jährige sah denselben Mangel in den Weinbergen. Es sei Zeit, die Reben zu schneiden, doch es gebe keine Menschenseele, die das tue.
Arbeitskräfte fliehen
Ähnliche Szenen wiederholen sich im ganzen Land. Fabriken, Bauernhöfe und Haushalte haben Mühe, Arbeitskräfte zu finden, seit Tausende von ausländischen Arbeitnehmenden innerhalb weniger Wochen das Land verlassen hatten. Sie flohen vor teils tödlichen migrantenfeindlichen Demonstrationen und einer Verschärfung der Kontrollen gegen illegale Einwanderung.
Splittergruppen hatten den 30. Juni als Frist für Menschen ohne Papiere festgelegt, das Land zu verlassen. Dies löste eine Abwanderung von mehr als 160'000 Menschen aus, wie eine Zählung der AFP auf der Grundlage von Zahlen afrikanischer Regierungen, die ihre Staatsangehörigen aufgenommen hatten, ergab.
80 Prozent der Helfer verloren
Simbabwe, das wichtigste Rückkehrland, gab an, dass viele seiner Bürgerinnen und Bürger in Südafrika in der Landwirtschaft, im Baugewerbe und als Hausangestellte gearbeitet hätten. Die Auswirkungen waren fast sofort im Zuckergürtel der südöstlichen Provinz KwaZulu-Natal zu spüren. Ein Landwirt dort berichtete, er habe praktisch über Nacht bis zu 80 Prozent seiner Zuckerrohrschneider verloren.
Die Produktion und die Versorgung hätten sich so sehr verschlechtert, dass es für die Zuckerfabriken schwierig sein werde, geöffnet zu bleiben, sagte der Bauer. Er äusserte sich anonym aus Angst, seinem Unternehmen noch mehr zu schaden.
«Beschwerliche» Arbeit
Ein anderer Landwirt in der Nähe von Mid-Illovo, einer hügeligen Region südlich von Durban, erklärte, dass die meisten Zuckerrohrschneider in der Umgebung aus Lesotho stammten, einem kleinen, von Südafrika umschlossenen Königreich. «Die Leute von hier mögen diese Arbeit nicht, weil sie beschwerlich und sehr körperlich ist», sagte er.
Dieses Argument wird von migrantenfeindlichen Gruppen und Gewerkschaften bestritten. Sie machen illegale Einwanderinnen und Einwanderer sowie Arbeitgebende für Südafrikas Arbeitslosigkeit von fast 33 Prozent verantwortlich.
Billiger und flexibler
Ihrer Meinung nach bevorzugen viele Arbeitgebende Migrantinnen und Migranten, weil diese billiger, flexibler und weniger geneigt seien, Arbeitsverträge oder rechtlichen Schutz zu fordern. «Sie ziehen Profit aus den ausländischen Staatsangehörigen», prangerte Patrick Williams an, ein lokaler Verantwortlicher einer der wichtigsten Gewerkschaften für Landarbeiter, der CSAAWU. Ausländerinnen und Ausländer arbeiten laut ihm üblicherweise sieben Tage die Woche, lassen die Mittagspausen ausfallen und würden oft unter dem nationalen Mindestlohn bezahlt.
Im Industriegebiet von Chatsworth in Durban erklärte eine Leiterin einer Bekleidungsfabrik, dass der Weggang von qualifizierten Maschinenarbeitenden aus Malawi und Mosambik die Fabriken in Schwierigkeiten gebracht habe. «Wir haben Mühe, unsere Ziele zu erreichen, weil die meisten gezwungen wurden zu gehen», sagte sie anonym. Ausserdem werde es Zeit brauchen, bis Einheimische den Beruf beherrschten, so ihre Einschätzung.
«Einheimische zuerst»
Die Regierung versuchte, auf die Wut über die Einwanderung zu reagieren, indem sie einen «Locals first»-Ansatz (Einheimische zuerst) förderte. Gleichzeitig räumte sie ein, dass einige Sektoren weiterhin von ausländischen Fach- und Arbeitskräften abhängig seien. Sie erweiterte eine Regelung, die die Ausstellung von Arbeitsvisa für Unternehmen beschleunigt, die Kriterien wie die mehrheitliche Beschäftigung von Südafrikanerinnen und Südafrikanern, Investitionen in die Kompetenzentwicklung und eine Tätigkeit in vorrangigen Sektoren erfüllen.
Südafrika solle ein reguliertes Programm für Saisonarbeiter in Betracht ziehen, ähnlich dem in den Vereinigten Staaten, meinte Siyabonga Madlala, Generaldirektor der landwirtschaftlichen Arbeitgeberorganisation SAFDA. Wenn das lokale Angebot nicht ausreiche, müsse eine Ausnahmeregelung vorgesehen werden, die den Einsatz von Saisonarbeitskräften aus den Ländern des Staatsbündnisses SADC, erlaube, bekräftigte er gegenüber dem Fernsehsender Newzroom Afrika.
Gewalttaten
Mehr als 60 Prozent der Migrantinnen und Migranten in Südafrika stammten laut offiziellen Zahlen aus einem der sechzehn Mitgliedsländer. Für viele der Abgereisten war es jedoch weniger die Regulierung als die Angst um ihre Sicherheit, die sie zur Flucht veranlasste. Vier Ausländer starben nach Angaben der Polizei bei fremdenfeindlichen Gewalttaten.
Wayne Chimbadzwa Mutasa, ein simbabwischer Staatsbürger, der seit 2014 in Robertson lebte, erklärte, er sei nach einer Polizeirazzia in den simbabwischen Unterkünften der Umgebung abgereist. «Sie sagten, wir würden hier illegal leben», sagte er der AFP mitten in den Vorbereitungen für seine Rückkehr in die Heimat. Sein Landsmann Aaron Majatamhe, der Landarbeiter in der Zitrusfruchtbranche, hat beschlossen, vorerst zu bleiben. Man habe Angst zu bleiben, gestand er. «Aber das Problem ist, dass wir kein Geld haben, um nach Hause zurückzukehren.»
