Dem grössten Schweineschlachthof Belgiens, einem Betrieb der Debra Group in Tielt, ist Ende März von der flämischen Regierung wegen grober Verstösse gegen das Tierschutzrecht die Produktionserlaubnis entzogen worden.
Damit reagierte der für das Tierwohl zuständige flämische Minister Ben Weyts auf belastendes Filmmaterial, das die Tierschutzorganisation Animal Rights mit einer versteckten Kamera über einen Zeitraum von anderthalb Monaten in dem Betrieb aufgenommen und am 22. März veröffentlicht hatte.
Schwein lebendig in heisses Wasser getaucht
Die Aufnahmen zeigen unter anderem, wie ein Schwein vom Transportband bei vollem Bewusstsein in ein etwa 60 °C heisses Wasserbad getaucht wird, das eigentlich die Entfernung der Borsten bereits geschlachteter Tiere erleichtern soll. Ausserdem ist zu sehen, wie nicht betäubten Schweinen die Halsschlagader durchgeschnitten wird. Der Ministerwill nun alle flämischen Schlachthöfe von einer unabhängigen Stelle mit Blick auf Tierschutzaspekte kontrollieren lassen.
Debra schlachtet in Tielt nach eigenenAngaben wöchentlich durchschnittlich 35'000 Schweine. Etwa 65% der Produktion werden exportiert, und zwar vor allem nach Deutschland und Polen. Das Fleisch wurde bislang unter anderem imRahmen des belgischen Qualitätssicherungssystems „Certus“ vermarktet, das vom deutschen System der QS Qualität und Sicherheit GmbH als gleichwertig anerkannt ist. Allerdings hat der belgische Zeichengeber Belpork dem Schlachthaus das „Certus“-Zertifikatmittlerweile entzogen.
Bauern befürchten Imageverlust
Die belgische Detailhandelskette Delhaize, die in sieben Ländern aktiv ist, den Bezug von Schweinefleisch aus dem Betrieb. Behörden und Branchenvertreter entwickeln Massnahmenpaket Die belgischen Bauernverbände Boerenbond und ABS befürchten einen drastischen Imageverlust für die heimische Schweinebranche. Wie die Absatzförderungsorganisation für belgisches Fleisch, das Belgian Meat Office (BMO), gegenüber Agra-Europe erklärte, arbeiten zurzeit Behörden und Branchenvertreter an einem Massnahmenpaket, damit sich derartige Vorkommnisse nicht mehr wiederholen.
Im Jahr 2015 importierte Deutschland insgesamt rund 315'000 t frisches und gefrorenes Schweinefleisch einschliesslich Fett, Speck und Schlachtabfällen aus Belgien und war damit der wichtigste Kunde. Die Debra-Geschäftsführung zeigte sich vom Inhalt der Reportage „besonders schockiert“. Um seine Produktionserlaubnis wiederzuerlangen, muss das Unternehmen den Behörden nun einen überzeugenden Plan vorlegen, wie künftig alle Tierschutzbestimmungen eingehalten werden können.