
Die Ukraine ist der weltweit grösste Exporteur von Sonnenblumenöl. Mit einem möglichen EU-Beitritt könnten sich für den Anbau die Rahmenbedingungen beim Pflanzenschutz deutlich ändern.
Judith Beyeler, lid
Auf die Landwirte in der Ukraine kommt bei einem EU-Beitritt des Landes ein harter Einschnitt zu. Mehr als 40% der aktuell verwendeten Pflanzenschutzwirkstoffe könnte dann ein Verbot drohen. Das hat eine Untersuchung der Nationalen Universität für Lebens- und Umweltwissenschaften (NUBiP) ergeben.
Laut Mykola Kosolap sind derzeit 251 Wirkstoffe für die Anwendung in der Ukraine zugelassen. Von diesen erfüllten 101 nicht die EU-Anforderungen, sodass nach einem Beitritt voraussichtlich nur 150 verwendet werden dürften.
Dem Wissenschaftler zufolge wären Insektizide am stärksten betroffen; hier stünden 57% Wirkstoffe vor dem Aus. Unter den Herbiziden und Fungiziden dürften jeweils rund 35% gestrichen werden; bei den sonstigen Wirkstoffen sind es etwa 40%. «Die 13 wichtigsten Herbizidwirkstoffe, die wir untersucht haben, sind in 268 Präparaten enthalten, und allen droht ein Verbot», erklärte Kosolap.
Bei Kartoffeln und Sojabohnen sei es durchaus möglich, den Pflanzenschutz durch andere EU-zugelassene Präparate aufrechtzuerhalten, betonte der Forscher. Bei Sonnenblumen, Erbsen und Raps reichten die alternativen Präparate aber nicht aus, um das Unkraut zu bremsen. Besser sehe es hingegen bei den Insektiziden und Fungiziden aus. Hier könnten viele Wirkstoffe auf der Streichliste durch andere ersetzt werden.