
Zur Sicherung der Agrarproduktion in der Ukraine dürfte auch ein Hilfsprogramm der Regierung beitragen.
Michael Flückiger
In der Ukraine halten die massiven russischen Angriffe auf das Energiesystem des Landes auch die heimischen Lebensmittelproduzenten in Atem. Um die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln sicherzustellen, hat die Regierung jetzt die Zusammenarbeit mit Herstellern und Handel intensiviert.
Bei einem Treffen mit Vertretern der Lebensmittelbranche betonte Premierministerin Yulia Svyrydenko, dass die Ukraine derzeit über genügend Lebensmittel verfüge; die Produktionskapazität übersteige die heimische Nachfrage. «Die Lage ist unter Kontrolle», versicherte die Regierungschefin.
Lebensmittelreserven werden angelegt
Dennoch will Svyrydenko vorsorgen. Sie beauftragte den Staatlichen Notfalldienst des Landes, im Fall plötzlicher Stromausfälle sofort die Möglichkeit zu prüfen, Unternehmen bei der Herstellung von Grundnahrungsmitteln zu unterstützen. Kurzfristig müsse dafür gesorgt werden, die Energieversorgung wiederherzustellen.
Dazu müssten beispielsweise verstärkt Notstromaggregate bereitgestellt und angeschlossen werden. Darüber hinaus soll der Notfalldienst Lebensmittelreserven anlegen, falls es notwendig werden sollte, Verteilungspunkte einzurichten.
Sicherung der Agrarproduktion
Zur Sicherung der Agrarproduktion dürfte auch ein Hilfsprogramm der Regierung beitragen. Vom Ministerkabinett wurden jetzt die Entschädigungszahlungen für ausgefallene oder verminderte Ernten in Frontgebieten erhöht. Das betrifft nicht nur Einbussen durch feindliche Angriffe, sondern auch Ernteausfälle durch schwierige Witterungsbedingungen. Zudem gibt es nun auch finanzielle Zuschüsse für den Bau von Gemüse- und Obstlagern, die von landwirtschaftlichen Produzenten beantragt werden können.
Um die Energieversorgung zu gewährleisten, hat die Ukraine schon im vergangenen Jahr Anstrengungen unternommen. Laut Statistiken des Staatlichen Zolldienstes stiegen die Importe von Notstromaggregaten wertmässig von 625 Mio. Euro (rund 573 Mio. Franken) im Jahr 2024 auf 1,44 Mrd. Euro (rund 1,32 Mrd. Franken). Angekurbelt wurden die Käufe auch durch die Ende Juli 2024 von der Regierung getroffene Entscheidung, die Einfuhr von Generatoren und Batterien von Zollgebühren und der Mehrwertsteuer zu befreien.