Ukraine: Russland attackiert Getreidekorridore

Russland greift zunehmend auch alternative Landrouten für ukrainische Getreideexporte an. Gleichzeitig erschweren tiefes Wasser auf der Donau und sinkende Exportmengen den Handel zusätzlich.

AgE |

Russland versucht im Krieg gegen die Ukraine weiterhin, die Infrastruktur für die Getreideexporte zu zerstören. Während in den vergangenen Wochen die Terminals der Schwarzmeerhäfen im Visier standen, werden jetzt auch alternative Landrouten angegriffen, über die landwirtschaftliche Produkte exportiert werden.

Laut einem Bericht des Instituts für Kriegsforschung (ISW) wurde eine Brücke beschädigt, die die Südukraine mit Moldawien und Rumänien verbindet.

Fokus auf alternative Exportwege

Laut ISW verlagert Russland offenbar gezielt den Schwerpunkt seiner Angriffe vom Seeweg auf die Landkorridore, um den Export ukrainischen Getreides zu verhindern und die ukrainische Wirtschaft allgemein zu schwächen.

Das Institut wies darauf hin, dass der türkische Aussenminister Hakan Fidan ein Moratorium für Angriffe auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer vorgeschlagen habe. Dazu habe er bereits Kontakt mit den beiden Kriegsparteien aufgenommen; diese hätten allerdings noch nicht darauf reagiert.

Exporte deutlich gesunken

Nach Angaben der Plattform Interfax Ukraine sind die Getreidelieferungen per Bahn in Richtung der Häfen im Grossraum Odessa in den ersten fünf Augusttagen im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Juli um 84 % zurückgegangen. Das Gesamtvolumen der Exporte landwirtschaftlicher Produkte aus der Ukraine belief sich vom 1. bis 6. August auf 313'000 Tonnen, im Vormonatszeitraum waren es noch 785'000 Tonnen. Gleichzeitig sanken die Exporteinnahmen von 326,9 Mio. Dollar (266 Mio. Franken) auf 201,5 Mio. Dollar (64 Mio. Franken).

Während die Getreidezuflüsse zu den Seehäfen per Eisenbahn sehr stark nachgelassen haben, meldet die Ukraine bei den Exportrouten per Bahn und über die Strasse nach Westen weniger Einschränkungen. Per Bahn wurden in den ersten fünf Augusttagen insgesamt 182'000 Tonnen Getreide und Mahlerzeugnisse transportiert, das waren 44 % weniger als in der Vormonatsperiode. Die Frachtmengen über die Strasse legten hingegen um 11 % zu, und zwar von 53'600 auf 59'600 Tonnen.

Donau als Alternative stösst an Grenzen

Klar ist jedoch, dass auch die volle Kapazität der Strassentransporte nicht ausreichen wird, um die Verluste bei den Getreidelieferungen mit grosser Tonnage über die Seehäfen auch nur annähernd auszugleichen. Immer schwieriger wird auch der Weg über die Donau ab dem rumänischen Hafen Constanța.

Der Wasserstand des Flusses ist durch die lange Hitzeperiode und den anhaltenden Regenmangel auf einen neuen Tiefststand gesunken. Deshalb sind die Binnenschiffer gezwungen, mit deutlich weniger Ladung zu fahren, was die Kosten für die Getreidetransporte nach oben treibt und den Mengenumschlag spürbar begrenzt. 

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