Der ukrainische Agrarmanager Alex Lissitsa wertet die jüngste Stippvisite von Landwirtschaftsminister Vitaliy Koval in Syrien und Libanon als Türöffner für zusätzliches Exportgeschäft. «Man erhofft sich durch solche Initiativen eine Wiederbelebung und sogar eine Steigerung der Exporte, insbesondere bei Getreide und Pflanzenölen», sagte Lissitsa gegenüber «AGRA Europe».
Um die Jahreswende war eine ukrainische Regierungsdelegation nach Syrien und in den Libanon gereist. In Damaskus hatte Koval unter anderem das neue syrische de facto Staatsoberhaupt Ahmed al-Scharaa getroffen.
Strategisch wichtiger Markt
Vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Jahr 2021 seien noch rund 18% der ukrainischen Agrarexporte in den Nahen Osten gegangen, berichtete Lissitsa. Trotz der Herausforderungen durch Zahlungsschwierigkeiten und politische Unsicherheiten bleibe die Region ein «strategisch wichtiger Markt», betonte das Vorstandsmitglied im Ukrainian Agribusiness Club (UCAB) und Aufsichtsratschef des Agrarkonzerns IMC. Nach Syrien gingen indes bislang kaum Ausfuhren.
Das Kiewer Agrarressort sieht durch den Sturz des langjährigen syrischen Diktators Baschar al-Assad nun offenbar gestiegene Chancen auf Agrarexporte. Es gebe in dem Land grossen Bedarf an Mehl, Weizen, Öl und Zucker, gab Koval während der Reise zu Protokoll. Mit den syrischen Gesprächspartnern habe man sich über die Aufnahme von Handelsbeziehungen beraten.
Während der Herrschaft des Assad-Regimes habe es noch hohe Zölle auf die Lieferung von Agrarprodukten gegeben, erinnerte Koval. Eine Arbeitsgruppe zwischen den jeweils zuständigen Ministerien beider Länder soll nun über deren Abbau verhandeln.
500 Tonnen Weizenmehl
Der Minister verwies zudem auf die 500 Tonnen Weizenmehl, welches die ukrainische Regierung durch das humanitäre Programm «Grain from Ukraine» in Zusammenarbeit mit dem UN-Welternährungsprogramm (WFP) nach Syrien geschickt hat.
Für die Regierung in Kiew könnten die Lieferungen auch geostrategischer Bedeutung haben. Denn das Assad-Regime war traditionell eng mit Moskau verbündet und bezog bis zuletzt Weizen aus Russland.
