
Trotz hoher staatlicher Zahlungen dürfte in der US-Landwirtschaft dieses Jahr etwas weniger Geld verdient werden als 2025.
Robert Alder
Laut der vom Economic Research Service (ERS) des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) vorgelegten Prognose wird das aggregierte Nettofarmeinkommen bei 153,4 Mrd. $ (118,4 Mrd. Fr.) liegen. Gegenüber 2025 wäre das nominal ein leichter Rückgang um 1,2 Mrd. $ (925 Mio. Fr.) oder 0,7%. Inflationsbereinigt wird ein Minus von 4,1 Mrd. $ (3,16 Mrd. Fr.) beziehungsweise 2,6% erwartet. Dennoch bliebe das Nettofarmeinkommen damit über dem langfristigen Durchschnitt. Seinen Höchststand hatte es 2022 mit 210 Mrd. $ (162,0 Mrd. Fr.) erreicht.
2026: Sinkende Preise bei Milch und Eier
Heruntergebrochen auf Einzelbetriebe liegen Daten bislang nur für das Kalenderjahr 2024 vor. Da lag das mittlere Gesamteinkommen aller landwirtschaftlichen Haushalte bei 102’748 $ (79’280 Fr.) und damit deutlich über dem mittleren Gesamteinkommen aller US-Haushalte von 83’730 $ (64’606 Fr.). Wenig überraschend korreliert das Einkommen aus der Landwirtschaft mit der Grösse des Betriebs, und die meisten Farmer erzielten auch Einnahmen aus nichtlandwirtschaftlichen Tätigkeiten. Etwa 86% der US-Landwirtschaftsbetriebe sind dabei laut dem ERS kleine Familienbetriebe mit Umsätzen von weniger als 350’000 $ (270’060 Fr.).
Höhere Einnahmen stellt das USDA für 2026 landwirtschaftlichen Betrieben in Aussicht, die sich auf Feldfrüchte spezialisiert haben. Bei Mais wird eine Steigerung erwartet, bei Weizen hingegen eher ein sinkender Trend. Die Erlöse bei Sojabohnen sollen weitestgehend stabil bleiben. Auf geringere Einnahmen sollten sich Betriebe einstellen, die sich auf die Tierproduktion spezialisiert haben. Hier dürften sich niedrigere Preise für Milch und Eier niederschlagen. Rinderzüchter haben dem Ministerium zufolge dagegen bessere Aussichten.
Steigende Agrarzahlungen
Das USDA geht davon aus, dass die staatliche Unterstützung der US-Landwirte 2026 stark steigen wird und sich Rekordwerten nähert. Während die Zahlungen für 2025 bei 30,5 Mrd. $ (23,5 Mrd. Fr.) gesehen werden, sollen es in diesem Jahr 44,3 Mrd. $ (34,2 Mrd. Fr.) sein. Dies wäre ein Zuwachs von 45%. Damit würden die staatlichen Zahlungen 2026 fast 29% des landwirtschaftlichen Einkommens ausmachen. Dabei sind Entschädigungszahlungen aus bundesstaatlichen Ernteversicherungen noch gar nicht berücksichtigt.
Laut USDA spiegelt die höhere staatliche Unterstützung Zahlungen aus Farm Bill-Programmen wider, mit denen sinkende Produzentenpreise abgefedert werden sollen. Zudem lägen die Katastrophenhilfe und weitere Zusatzleistungen weiterhin auf hohen Niveaus. Gleichwohl werden weiter Stimmen laut, die noch mehr staatliche Unterstützung für die US-Landwirte fordern. Ausgeglichen werden müssten beispielsweise steigende Betriebskosten und entgangene Exporteinnahmen aufgrund der Handelspolitik von Präsident Donald Trump.
Die American Farm Bureau Federation (AFBF) warnte, dass die staatlichen Zahlungen selbst bei diesen erhöhten Niveaus das Ausmass der Verluste, welche die Landwirte in den letzten Jahren erlitten hätten, nicht vollständig ausgleichen würden. Bei weiterhin hohen Produktionskosten und unter Druck stehenden Marktpreisen hätten viele Betriebe trotz Katastrophenhilfe und wirtschaftlicher Unterstützung erhebliche finanzielle Probleme.