Der Vorwurf an die grüne Europaabgeordnete Sarah Wiener, sie habe Bauern mit Drogensüchtigen gleichgestellt, wird von ihr entschieden zurückgewiesen.
«Ich habe nie gesagt, dass Bauern drogensüchtig nach Pflanzenschutzmitteln seien», betont die Berichterstatterin im federführenden Umweltausschuss des Europaparlaments für den Kommissionsvorschlag zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (SUR).
Aussage fälschlicherweise verbreitet
Dass sich diese Aussage fälschlicherweise verbreitet habe, sage viel über die Sorgfaltspflicht von «bestimmten Fachmedien» aus. Auf ihr Zitat «das wäre ja so, als wenn man einem Süchtigen sagt, er solle die Dosis selbst bestimmen und reduzieren» aus einem vorherigen Interview mit AGRA-EUROPE angesprochen, erklärt sie:
«Mein Vergleich war vielmehr eine Parabel auf die Agrarlobbyisten, die die Bauern in wirtschaftlicher Abhängigkeit halten und sich selbst keine Transformation des momentanen Agrarsystems vorstellen können». Mit Blick auf ihren Berichtsentwurf zum SUR-Vorschlag verteidigt die grüne Agrarpolitikerin ihre Forderung, den Einsatz besonders gefährlicher Pflanzenschutzmittelwirkstoffe bis zum Jahr 2030 um 80 % zu reduzieren.
Backpulver als Alternative
Konkret geht es laut Wiener hier um 55 Wirkstoffe, die nachweislich krebserregend sind, auf das Hormonsystem wirken oder neurotoxisch sind. Als Beispiel nennt die Österreicherin die Fungizidgruppe der Conazole, «die als hochgefährlich gelten». Diese könne man sehr einfach durch Backpulver ersetzen. Im Weiteren will sie für den Pflanzenschutzmitteleinsatz insgesamt gemäss dem Kommissionsvorschlag an einer Halbierung bis 2030 festhalten.
Der seit 2019 im Europaparlament sitzenden Abgeordneten zufolge würden einige Wissenschaftler in manchen Punkten noch viel weiter gehen. Sie selbst befürworte allerdings eine praktikable Lösung, so Wiener. «Ich möchte nicht das Bauerntum abschaffen, sondern es unterstützen.» Eine stärkere Beschränkung des chemischen Pflanzenschutzes komme schliesslich vielen zugute. Gerade Bauern würden oft wegen des Einsatzes von Pestiziden krank.
Gegen Totalverbot in nitratsensitiven Gebieten
Für zu weitgehend hält die ehemalige Fernsehköchin aber das Ansinnen der Kommission, den Pflanzenschutzmitteleinsatz in allen sensiblen Gebieten zu untersagen. So fordert Wiener, die nitratsensitiven Gebiete von der Liste der Totalverbote zu streichen.
Eine solche Massnahme ergebe keinen Sinn und bringe die Bauern nur unnötig gegen die Pläne in Stellung. Im Übrigen sollten nach Ansicht der Österreicherin, die auch Mitglied im Landwirtschaftsausschuss ist, alle Pflanzenschutzmittel erlaubt werden, die im Biolandbau zugelassen sind. «Schliesslich wollen wir die Landwirtschaft nicht abschaffen, sondern wir wollen sie stärken und zukunftsfähig machen», betont Wiener.
Hart geht sie indes mit einer Reihe ihrer Kollegen im Landwirtschaftsausschuss ins Gericht. Sie wirf diesen Verzögerungstaktiken vor. «Ablehnender Aktivismus habe seine Berechtigung auf der Strasse, im EU-Parlament sollten wir uns anderer Mittel bedienen.»

wen meinst du mit "man"? Einen Mann wie dich oder die ganze Welt?
Nach meiner Bananen-Farbenlehre ist jedenfalls grün genießbarer als schwarz.
Aber über die Sarah Wiener lass ich nichts kommen.
Die ist bodenständig und hat auch keine Angst vor irgendwelchen wichtigen Großkopfeten.
Aufrechte Gangart. Respekt.
Sagt e Ober-Schwoob jenseits des Meeres im Norden, dessen Wurzeln wahrsch. in SG, AI, AR liegen.
Franz Xaver