
Die schwedische Umweltschutzbehörde korrigierte den im letzten Bericht zum Zustand der Arten laut Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie gemeldeten Wert von 170 auf 220 Tiere nach oben.
Kurt K.
Schweden hat der EU-Kommission einen neuen nationalen Referenzwert hinsichtlich der Populationsgrösse für einen «günstigen Erhaltungszustand» des Wolfes im Land gemeldet. Die schwedische Umweltschutzbehörde korrigierte den im letzten Bericht zum Zustand der Arten laut Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie gemeldeten Wert von 170 auf 220 Tiere nach oben.
Der Schritt erfolgt, nachdem die Wolfsjagd 2026 gerichtlich gestoppt wurde und die Regierung von Naturschutzverbänden dafür kritisiert wurde, den Referenzwert ohne ausreichende wissenschaftliche Grundlage auf 170 Individuen gesenkt zu haben. Auch die EU-Kommission hatte Bedenken hinsichtlich des geringen Wertes geäussert.
Auf Anfrage bestätigte ein Kommissionsbeamter den Eingang der neuen Meldung, äusserte sich aber nicht dazu, ob der Wert von 220 die frühere Kritik ausräumt. Die Mitgliedstaaten seien selbst dafür zuständig, die Referenzwerte anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse und der vereinbarten EU-Methodik festzulegen, hiess es aus Brüssel.
Neue Mindestbestände erforderlich
Die Meldung des korrigierten Referenzwertes war einer von mehreren Beschlüssen, die die Regierung des nordischen Landes Ende Juli gefasst hatte. So wurde die Behörde ebenfalls damit beauftragt, neue Mindestbestände für die drei Managementgebiete für Raubtiere zu entwickeln – diese sollen der Regierung zufolge bis spätestens 1. Oktober vorliegen.
Damit sollen für jedes Gebiet Tierzahlen gemeinsam mit den Provinzverwaltungen erarbeitet werden, die durch die Jagd nicht unterschritten werden dürfen. Die Mindestbestände müssen mit dem neuen Referenzwert korrespondieren. Sie sind dann die Grundlage für die Festlegung der Tieranzahlen in der Lizenzjagd, die die Regierung auch im kommenden Winter ermöglichen will.
Kooperation mit Norwegen und Finnland
Zudem soll mit Norwegen und Finnland ein gemeinsames Management der fennoskandinavischen Wolfspopulation angestossen werden. Ziel von Landwirtschaftsminister Peter Kullgren ist es nach wie vor, die Wolfspopulation zu dezimieren. Dem Ressortchef schwebt für den schwedischen Teil der gemeinsamen Wolfspopulation ein Bestand von 100 Tieren als kleinste überlebensfähige Population vor.
Die Umweltschutzbehörde soll nun auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und in Zusammenarbeit mit den Nachbarländern überprüfen, ob dieser niedrige Wert festgelegt werden könnte. Bis Ende 2028 will die Regierung einen Abschlussbericht über die Arbeiten am gemeinsamen Managementplan von der Behörde vorliegen haben.
Jagdverbände reagieren unterschiedlich
Der schwedische Jagdverband SJF informierte seine Mitglieder lediglich über die Änderungen, ohne selbst ein Statement dazu abzugeben. Der SJF ist die größte Interessenvertretung der Branche im Land und hat einen staatlichen Auftrag für Jagd und Wildtiermanagement.
Anders reagierte der kleinere, konkurrierende Jägerverband JRF, der freilebende Wölfe konsequent ablehnt: Der neue, höhere Referenzwert rief dort sofort Unmut hervor. Der JRF hoffe nun, dass die Jäger in diesem Winter mit einer umfassenden Wolfsjagd rechnen könnten. Da 2026 keine Wolfsjagd stattgefunden habe, sei es aus Verbandssicht nur logisch, dass nach einer genehmigten Jagd im Januar 2027 eine Population von 220 Tieren übrig bleibe.