105%-Regel: Emmi verschont Bio

Die Lage am Schweizer Milchmarkt ist angespannt. Es gibt zu viel Milch. Konventionelle Produzenten müssen mit scharfen Sanktionen rechnen. Bei den Biomilchproduzentinnen sieht es anderes aus.

Derzeit wird in der Schweiz mehr Milch produziert, als verarbeitet werden kann. Die Pulverwerke der Molkereien Cremo und Emmi laufen rund um die Uhr, können aber nicht alle überschüssige Milch oder Milchbestandteile (Magermilch) aufnehmen. Also geht Schweizer Milch in die Biogasanlage.

Massnahmen erst angedroht

Darum hat die Branchenorganisation Milch (BOM) die dringende Empfehlung veröffentlicht, ab dem 1. Februar ab Stufe Erstmilchkauf bei einer Überlieferung ab 105% der monatlichen Vorjahresmilchmenge den Preis für diese Mehrmengen auf deutlich unter dem aktuellen ungestützten C-Richtpreis festzulegen. Das heisst, mit Preisen von nur noch 10 bis 15 Rp./kg sollen die Milchproduktionsbetriebe zum Bremsen angehalten werden.

Die BOM schreibt auch, dass jeder Erstmilchkäufer strengere Vorgaben oder Bestimmungen gegen Härtefälle definieren könne. Zu vermuten ist, dass sich fast jeder Betrieb als «Härtefall» sieht. Einen pauschalen Härtefall hat die Organisation Mittelland Milch beziehungsweise die von ihr belieferte Molkerei Emmi definiert. Die 105-%-Regel gilt nämlich für die Biomilchbetriebe nicht. Im Schreiben an die Milchproduzenten werden «harte» Massnahmen erst angedroht. Vorerst wird bei einem Grundpreis von 96 Rp./kg der Beitrag zur Deklassierung von Magermilch, die nicht auf dem Biomarkt abgesetzt werden kann, um 2 auf 7 Rp./kg erhöht.

«Biomilchmarkt stabiler»

Im selben Schreiben ist erwähnt, dass bei Biomilch die Mehrmenge im Dezember gegenüber dem Vorjahresmonat bei 15,7 % lag. Über die gesamte Milchmenge der Mittelland Milch waren es «nur» 9,6% mehr. Da bei der Biomilchproduktion sehr gutes Futter stärker durchschlägt, ist das nicht erstaunlich. Auf ihre Teilmenge gesehen trägt also Bio mehr zum Problem bei. Wenn aus dem Biokanal überschüssige Magermilch deklassiert werden muss, also zu konventioneller Magermilch abgewertet wird, landet sie vermutlich auch in Dagmersellen LU (Emmi) oder in Villars-sur-Glâne FR (Cremo) und trägt dort zum Engpass bei, dem die BOM jetzt mit der brachialen Methode von nur noch 10 bis 15 Rp./kg entgegensteuern will.

Auf Anfrage verneint Emmi nicht, dass auch Biomilch im Pulverwerk Dagmersellen landet. Emmi teilt mit: «Der Biomilchmarkt entwickelt sich grundsätzlich positiv und ist auf den Inlandmarkt fokussiert. Die Nachfrage und somit die Milchverwertung von Biomilch zu Bioprodukten wachsen derzeit. Der Biomilchmarkt präsentiert sich somit im Gegensatz zum konventionellen Milchmarkt stabiler. Deshalb wurde von einer Mengenbeschränkung auf den Februar abgesehen.»

«Milchpreissenkung ist ein falsches Signal»

Laut Bio Suisse handelt es sich um ein «temporäres Überangebot aufgrund der guten Futterqualität». Insgesamt sei der Bio-Milchmarkt aber stabil, teilte die Organisation vergangene Woche mit. Die Mehrmengen im Biobereich belasten aus Sicht von Bio Suisse den konventionellen Kanal nicht. «Diese Einschätzung wird von den Milchabnehmern bestätigt. Die anfallenden Mehrmengen werden durch bio-spezifische Massnahmen bewältigt», sagte Jasmin Huser, Produktmanagerin Milch bei Bio Suisse.

Die Produzentenpreise für konventionelle Milch sind deutlich am Sinken. Das soll im Biosegment nicht passieren, heisst es in der Mitteilung von Bio Suisse. Den Bio-Milchproduzentenpreis erachtet die Organisation als marktgerecht. «Aufgrund der rückläufigen Anzahl an Bio-Milchbetrieben, der geringen Zahl von Umstellern sowie der abnehmenden Bereitschaft junger Landwirtinnen und Landwirte, in die Milchproduktion einzusteigen, würde eine Preissenkung ein falsches Signal senden», hält Bio Suisse fest.

Die Dachorganisation der Biobauern spricht von befristeten Abzügen, Deklassierungen oder weiteren marktstützenden Massnahmen. Bio Suisse appelliert aus diesem Grund an die Milchproduzenten, die Milchmengen bis im Sommer «gezielt» zu drosseln. blu

Kommentare (7)

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  • Bergbauer | 24.01.2026
    An Sepp
    sagt derjenige der sowieso keine Ahnung hat!
  • Landwirt im Nordwesten | 23.01.2026
    Wer diese Entwicklung nicht kommen sah, hat wirklich keine Ahnung von jeglichen Wirtschaftsprinzipien.

    Wie wäre es, wenn auch Milchproduzenten einmal marktorientiert produzieren würden? Wenn man nicht ständig an der Überproduktionsgrenze oder wie aktuell sogar darüber Milch produzieren würde.
    Kennegenug Betriebe, bei denen genug andere Betriebsschwerpunkte als die Milchviehhaltung möglich wäre (Talzone, super Böden, nahe 100% Fruchtfolgeflächen aber dennoch reine Milchproduktion, mit Glück noch etwas Weizen...)
    Aber trotzdem einen neuen, noch grösseren Milchviehstall bauen...

    Alle anderen Betriebe mit Munimast/ Schweinehaltung/ Geflügel sind den Marktpreisen seit Jahrzehnten voll und ganz ausgesetzt und keiner macht einen Aufschrei. Nur die heilige Milchkuh bekommt wieder eine Sonderbehandlung...und trotzdem jammern wie immer die gleichen.
    Leid tun mir nur die, die nicht gross eine andere Wahl haben, etwa in Berg-und Hügelzone. Diese sind die wahren Leidtragenden der ganzen Misere.
  • Bergbauer | 23.01.2026
    Da wird wieder ein riesen Theater gemacht und alles nur das den Bauern die Bäume nicht in den Himmel wachsen wird alles nur künstlich dramatisiert.In der übrigen Wirtschaft macht der Hersteller der Ware den Preis nur die Landwirtschaft nicht was läuft hier falsch und warum werden die Kühe heute immer noch zu noch höheren Milchleistungen getrieben? Es läuft in etlichen Bereichen etwas falsch.
    • Sepp | 24.01.2026
      Sagt derjenige, der sowieso von subventionen lebt.
  • Ketzer | 22.01.2026

    Früher hat man die überschüssige Milch im Winter zu Butter verarbeitet. Butter importieren ist natürlich einfacher, ihr Bauern, habt doch etwas mehr Verständnis für die armen Milchverarbeiter wie Züger und co.

  • Peter | 22.01.2026
    Eine absolute Schweinerei! Anders ist das nicht zu bezeichnen.
    • Petsch | 23.01.2026

      Der Biomilch Absatz läuft bedeutend besser, zudem ist ein Biolandwirt gar nicht in der Lage seine Milchmenge dermaßen Künstlich hochzuhalten wie ein Konventioneller Milchbauer, wiso soll also z.B ein Biolandwirt der auf KF komplett verzichtet den Kopf hinhalten für die Konventionellen Melker

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