Am Anfang stand die Milchkrise

Joseph Mariettaz produziert in Südwestfrankreich Biomilch. Sein Hof ist fast unabhängig von externen Betriebsmitteln. Wie es dazu kam und wie er den Hof entwickelt hat, das erklärt er im Agrarpolitik-Podcast.

Hansjürg Jäger, lid |

Joseph Mariettaz ist Landwirt in Caumont, Südwestfrankreich. 2004 hat er den Betrieb gekauft – 2011 stellte er auf Bio um. Ausgangspunkt war die Milchkrise 2009, die zu massiv sinkenden Preisen und steigenden Kosten führte.

«Wir erlebten einen schrecklichen Einbruch der Milchpreise und gleichzeitig explodierten die Preise für Betriebsmittel», erklärt Joseph Mariettaz im Agrarpolitik-Podcast den Ausgangspunkt für die Umstellung auf biologische Landwirtschaft.

Zur Person

Joseph Mariettaz ist ausgebildeter Agraringenieur und führt seit 2004 gemeinsam mit seiner Ehefrau – sie ist auch Agronomin – einen Hof in Caumont, im Bezirk Tarn et Garonne in Südwestfrankreich.

Den Hof mit gut 100 Hektaren und knapp 60 Kühen haben sie gekauft und nach und nach weiterentwickelt.

60 Kühe und 108 Hektaren

Heute produziert der Hof das Futter für rund 60 Kühe auf 108 Hektaren selbst. Für Joseph Mariettaz ist dies mehr als ein technisches Ziel: «Für uns ist es grundlegend, unser Verhältnis zur Welt grundsätzlich zu überdenken.» Die biologische Landwirtschaft sieht er als Teil eines grösseren Wandels. «Man muss weg von einem Ausbeutungssystem hin zu einer vollständigen Integration zwischen Mensch und Natur», so Mariettaz im Podcast.

Die Umstellung wurde durch Fördermittel ermöglicht: «Ohne die Unterstützung hätten wir nicht durchgehalten», erläutert er weiter. Gleichzeitig kritisiert Joseph Mariettaz die europäische Agrarpolitik, da sie Industrialisierung und Vereinfachung fördere. «Das war dank und wegen der Agrarpolitik möglich», so der Landwirt.

Mariettaz fordert eine Reform der EU-Politik

Er fordert deshalb grundlegende Reformen: «Das Agrarmodell muss radikal geändert werden.» Die Streichung von Fördermitteln für Biolandwirtschaft bezeichnet er als Rückschritt. «Die geplante Streichung dieser Hilfen bestätigt den Kurswechsel Europas gegenüber der Ökologie», erläutert er.

Die biologische Landwirtschaft ist für Joseph Mariettaz Ausdruck seiner Überzeugungen: «Es ist ein Endpunkt, der genau unserer Vorstellung von unserer Tätigkeit entspricht.» Rückblickend hätte er den Wandel gerne früher vollzogen, aber wirtschaftliche Zwänge verhinderten dies.

Sein Fokus liegt auf nachhaltiger Wirkung und der Vorbildfunktion. Für junge Landwirtinnen und Landwirte betont er: «Man muss sich weiterbilden, Unterstützung suchen und den Schritt wagen.» Veränderung sei ein Prozess. «Es ist eine Entwicklung – man wählt einen Weg, ändert ihn, kehrt zurück», so Joseph Mariettaz.

Wichtig sei, sich zu vernetzen und Erfahrungen zu teilen: «Man sollte niemals etwas alleine tun, sondern Unterstützung und Strukturen finden, die einen begleiten», so der Landwirt weiter. Strukturen entwickeln und nutzen

Strukturen entwickeln und nutzen

Staffel 16 von  «Agrarpolitik – der Podcast»  untersucht Wandel und Veränderung in der Land- und Ernährungswirtschaft. Wir untersuchen, was Wandel möglich macht, welche Rollen die Rahmenbedingungen spielen und wie gute Rahmenbedingungen aussehen könnten.

Die ganze Staffel entstand in Kooperation mit dem  Schweizer Agrarpolitik Forum . Diese Folgen sind erschienen:

Leana Waber –  Mehr Betriebe bedeuten mehr Vielfalt Ursula Seghezzi –  Zyklisch denken statt linear Christina Bachmann-Roth –  Die Kunst ist, gut auf Veränderung zu reagieren Stefan Moser –  Für jeden Betrieb ist eine Existenz möglich Joseph Mariettaz –  Am Anfang stand die Milchkrise

Artikel zum Agrarpolitikforum 2025:  Arbeit im Umbruch - vom Fachkräftemangel bis zur Hofnachfolge

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