
Heinz Siegenthaler giesst vor dem Mondelez-Gebäude in Bern Brünnen Milch in den Abguss.
Tobias Strahm
Schweizer Kühe geben dank gutem Futter deutlich mehr Milch als üblich. 2025 wurden 3,43 Milliarden Kilo eingeliefert, 2,8 Prozent oder 94 Millionen Kilogramm mehr als 2024. Vor allem seit Herbst liegen die Mengen deutlich über dem Vorjahr. Das hat Folgen: Die Verarbeiter laufen am Anschlag, und die Preise für die Produzenten sind deutlich gesunken.

Die Forderung ist klar: Zuerst Schweizer Milch verarbeiten.
Reto Blunier
Mondelez will 924 Tonnen Butter einführen
Die Branchenorganisation Milch (BOM) hat sich in einem Schreiben an den Detail- und Grosshandel gewandt. «Wir rufen Sie auf, den Anteil von Produkten mit Schweizer Herkunft zu erhöhen», hiess es im Schreiben von Mitte Januar. Beim global tätigen Lebensmittelkonzern Mondelez wird diese Forderung links liegen gelassen. Denn gemäss Recherchen des «Schweizer Bauer» hat der US-Konzern in den vergangenen Tagen ein Gesuch für den Import von 924 Tonnen eingesottener Butter gestellt, und zwar zur Herstellung von Schokolade. Und das im Rahmen des aktiven Veredelungsverkehrs.

Seit 1985 befindet sich die Produktion der Toblerone in Brünnen, im Westen der Stadt Bern.
Mondelez
1908 wird Toblerone produziert. 1985 wurde die Produktion vom Berner Länggass-Quartier ins heutige Werk in Bern-Brünnen im Westen der Bundesstadt verlegt. Die Schokolade mit den Zacken ist weltberühmt. Und viele Käuferinnen und Käufer auf der ganzen Welt verbinden die Toblerone mit der Schweiz.
«Keine Milch in die Biogasanlage»
Der Entscheid von Mondelez, EU-Butter einzusetzen, hat Milchproduzentinnen und Milchproduzenten enttäuscht und verärgert. Das Bäuerliche Zentrum Schweiz, das Bernisch Bäuerliche Komitee (BBK) und weitere bäuerliche Basisorganisationen haben deshalb zu einer Protestaktion vor dem Toblerone-Werk in Bern-Brünnen aufgerufen. Rund 40 Landwirtinnen und Landwirte sind am Donnerstagmorgen an den westlichen Stadtrand von Bern gefahren.

Rund 40 Landwirtinnen und Landwirte sind nach Bern-Brünnen gefahren.
Reto Blunier
BZS-Präsident Heinz Siegenthaler machte schnell klar, worum es bei der Aktion geht: «Wir wollen verhindern, dass Mondelez 1000 Tonnen Butter aus der EU importiert.» Dem Landwirt aus dem Emmental geht es aber nicht nur um die Butter. Man müsse zuerst die Schweizer Milch verarbeiten. Der Import von Milchpulver müsse gestoppt werden. «Wir müssen unbedingt verhindern, dass Schweizer Milch in der Biogasanlage entsorgt wird», führte er aus.
«Müssen Import stoppen»
Unterstützung erhielten die Landwirtinnen und Landwirte aus der Politik. Thomas Knutti (SVP/BE) war am Protest dabei. «Der Leidensdruck der Schweizer Milchbauern ist sehr gross. In den vergangenen Jahren haben sie viel investiert, um Milch zu produzieren. Und nun sinkt der Preis. Das ist verheerend!», machte er deutlich.

Die Forderung ist klar: Zuerst Schweizer Milch verarbeiten.
Reto Blunier
Knutti will deshalb auf politischem Weg den Produzenten helfen. «Wir müssen den Import stoppen. Er wird zu viel Milch eingeführt. Das müssen wir Gegensteuer geben. Und wir müssen wissen, wie viel Milch tatsächlich eingeführt wird. Zahlen dazu fehlen», führte Knutti aus. Er richtet auch einen Appell an den Detailhandel und die Verarbeiter. «Für mich ist es auch eine moralische Frage. Branche, Handel und Verarbeiter müssen die Schweizer Milch besser vermarkten. So löst sich das Problem von selbst, und wir bräuchten keine politischen Massnahmen», sagte Knutti.
Nächstes Mal bei Coop?
Siegenthaler zieht von der Aktion ein positives Fazit. So hat er seine Forderungen an eine Person von Mondelez übergeben können. Alles sei ruhig verlaufen. «Und vor allem sind wir hier auch bei einem Verteilzentrum von Coop. Es könnte gut sein, dass wir unsere Forderungen auch hier deponieren werden», sagte Siegenthaler.

Heinz Siegenthaler nahm Kontakt auf mit der Werksleitung.
Reto Blunier
Nach rund 60 Minuten zogen die Landwirtinnen und Landwirte wieder von dannen. In der Hoffnung, dass die Branche und vor allem auch Mondelez sich der schwierigen Lage der Produzenten bewusst werden.
Mehr zum Protest seht ihr im Video:
Weg von Swissness und wieder zurück
Im Werk am westlichen Stadtrand von bern werden heute täglich vier Millionen Toblerone-Produkte hergestellt. «Wir sehen eine wachsende globale Nachfrage nach Premium Schokolade und sind überzeugt, dass das Potenzial für Toblerone noch lange nicht ausgeschöpft ist», sagte Anna van Riesen, Chefin von Mondelez Schweiz, im April 2025. Die Produktionsstätte soll zum «Kompetenzzentrum für Toblerone in der Schweiz» ausgebaut werden. Der Konzern gab bekannt, 65 Millionen Franken in das Werk zu investieren, unter anderem in eine neue Produktionslinie.
2023 verschwanden auf der Verpackung das Matterhorn und der Markenzusatz «of Switzerland». Der «Verlust an Swissness» sorgte für Aufsehen. Denn Schweizer Vollmilchpulver war somit keine Pflicht mehr für Mondelez. Dass vermehrt ausländisches Milchpulver verarbeitet wurde, wies der Konzern damals gegenüber Schweizer Bauer jedenfalls nicht zurück. Im April 2025 folgte die Kehrtwende. Die meisten Toblerone-Produkte tragen seither ein Schweizerkreuz auf der Verpackung. Der Lebensmittelkonzern Mondelez International wolle damit die Verbundenheit der dreieckigen Schokolade mit der Schweiz zum Ausdruck bringen, hielt der Konzern fest. Es ist eine Verbundenheit mit Ausnahmen, wie sich nun zeigt. blu