«Bauern schaufeln eigenes Grab»

Zwar belässt die BOM den Richtpreis für A-Milch bei 66 Rp. Doch der A-Milch-Preis bleibt unter Druck. Der Marktentlastungsfonds schafft Anreize, die Menge auszudehnen. Das kritisiert Wirtschafts- professor Reiner Eichenberger.

Daniel Etter Samuel Krähenbühl |

Zwar belässt die BOM den Richtpreis für A-Milch bei 66 Rp. Doch der A-Milch-Preis bleibt unter Druck. Der Marktentlastungsfonds schafft Anreize, die Menge auszudehnen. Das kritisiert Wirtschafts- professor Reiner Eichenberger.

Gestern gab die Branchenorganisation Milch (BOM) bekannt, dass der Richtpreis für A-Milch im zweiten Quartal 2012 bei 66 Rp. pro Kilo Milch bleibt. Doch in der BOM-Mitteilung ist bereits von einer Abwärtstendenz der Milchpreise die Rede. Kein Wunder, wird doch in der Schweiz zu viel Milch produziert. Die überschüssige Milch wird mehrheitlich verbuttert. Würden die Bauern nicht 1 Rp. pro Kilo Milch in den BOM-Marktentlastungsfonds  einzahlen, wüchse der Butterberg wohl ins Unermessliche.

Umstrittene Wirkung

Dieser Fonds steht  aber auch in der Kritik. Dies nicht  nur, weil die verursachergerechte Abgabe von 4 Rp. pro Kilo Mehrmenge nicht eingezogen wird. Umstritten ist  vor allem dessen Wirkung. Mit den rund 35 Mio. Franken, welche die Bauern einzahlen, wird der C-Preis, also  der Preis jener Milch gestützt, für die es  in der Schweiz keinen Markt gibt.  Jene Milch also, welche die Schweizer Milchbauern  besser gar nicht produzieren würden. Für den milchpolitisch neutralen Ökonomen Reiner Eichenberger ein völlig verkehrtes System. Der  Professor  für Theorie der Finanz- und Wirtschaftspolitik an der Universität Freiburg erklärt, warum: «Wird der Preis für überschüssige Milch quersubventioniert und damit gestützt, schafft dies offensichtlich Anreize, mehr von dieser Milch zu produzieren.» Somit werde die Milchmenge nicht sinken, sondern gar anwachsen.  

Massshalter werden doppelt abgezockt

Aus einzelbetrieblicher Sicht mache es Sinn, die Menge hochzufahren, insbesondere dann, wenn der Preis für C-Milch hochgehalten werde. Denn umso höher der C-Preis, desto höher könnten auch die Produktionskosten je zusätzlich produzierte Einheit  sein, um noch rentabel zu produzieren. Eichenberger spricht Klartext: «Vom Marktentlastungsfonds profitieren jene Bauern, die ihre Milchmenge ausdehnen, und die Verarbeiter, die ihre Anlagen besser auslasten können.  Geprellt sind jene Bauern, die ihre Milchproduktion  nicht ausdehnen können oder wollen, die aber in den Fonds einzahlen müssen.»  Weil wegen der Marktstützung viele Bauern wachsen wollten,  stiegen die Landnachfrage und damit  die Landpreise zusätzlich. Zudem dürften wegen der quersubventionierten Ausdehnung der Produktion langfristig auch die Preise für A- und B-Milch sinken: «So schaufeln sich die Bauern selbst ihr eigenes Grab.»

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