
Ob der Richtpreis steigen wird, entscheidet sich am Donnerstag.
Reto Blunier
Am kommenden Donnerstag tagt der Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM). Diskutiert wird mit Sicherheit auch der Richtpreis für Industriemilch im A-Segment. Dieser wurde per 1. Februar um 4 Rappen auf 78 Rappen pro Kilo gesenkt. Der BOM-Vorstand fixierte den Richtpreis für elf Monate bis Ende Dezember 2026 auf diesem Niveau. Schwankungen vor allem gegen unten, aber auch gegen oben, werden so abgeblockt.
Überschuss sinkt
Beim Entscheid habe die prospektive Markteinschätzung für 2026 eine grosse Rolle gespielt, teilte die BOM im Dezember 2025 mit. «Auf den internationalen Märkten sinken die Preise derzeit sehr stark. Butter und Magermilchpulver verloren in den letzten Monaten viel Wert, in den kommenden Wochen werden in den umliegenden Ländern die Produzentenpreise deutlich zurückgehen», schrieb die BOM damals.

Die kumulierte Milchproduktion von Januar bis Juni 2026 betrug 1'807’459 Tonnen. Sie war um 69’616 Tonnen oder 4,0 Prozent höher als in der Vorjahresperiode und um 70’046 Tonnen oder 4,0 Prozent höher als 2024.
TSM
In den ersten drei Monaten lag die Milchproduktion noch deutlich über dem Vorjahreswert. Im Januar lag die Einlieferung gemäss den Zahlen der TSM um 7,1 Prozent über dem Vorjahresmonat, im Februar bei 6 Prozent und im Mai bei 5,2 Prozent. Anschliessend reduzierte sich der Überschuss deutlich. Von April bis Juni wurden 2 Prozent mehr Milch als im jeweiligen Vorjahresmonat eingeliefert.
«Situation untragbar»
Die Kosten für die Produzenten sind aber deutlich gestiegen. Aufgrund der Trockenheit mussten zahlreiche Betriebe bereits Teile der Winterreserven verfüttern oder Futter zukaufen. Viele Milchproduzenten und Milchproduzentinnen haben auch Kühe in den Schlachthof gebracht. Zudem machte ein Virus den Kühen arg zu schaffen.
Der Vorstand der BOM setzt sich aus 20 Mitgliedern zusammen – je zehn Vertreterinnen und Vertretern der Gruppe «Produktion» sowie der Gruppe «Verarbeiter / Handel». Für einen Vorstandsbeschluss ist in beiden Gruppen jeweils eine Dreiviertelmehrheit erforderlich. Stellen sich also in einer der beiden Gruppen mehr als zwei Mitglieder gegen Massnahmen, kommt kein Beschluss zustande.
Mehrere Bauernorganisationen fordern aufgrund der höheren Kosten höhere Produzentenpreise. «Tausende Milchproduzentinnen und Milchproduzenten erhalten weiterhin einen gravierend tiefen Netto-Auszahlungspreis. Dieser ist angesichts der heutigen Produktionskosten und der steigenden Futterpreise nicht tragbar», sagten die Schweizer Milchproduzenten Ende Juli zum «Schweizer Bauer».
«Monetäre Massnahmen gefordert»
Auch die Vereinigten Milchbauern Ost (VMMO) und die Thurgauer Milchproduzenten (TMP) fordern «konkrete und rasch wirksame Massnahmen». Viele Milchwirtschaftsbetriebe stünden wirtschaftlich massiv unter Druck. «Die hohen Zusatzkosten müssen entlang der gesamten Wertschöpfungskette mitgetragen werden», halten die beiden Organisationen fest. Weitere Verzögerungen würden die Situation weiter verschärfen.
Die VMMO und TMP erwarten, dass die BOM kommenden Donnerstag einstimmig Massnahmen beschliesst, die die Bauernfamilien «substanziell entlasten und die Existenz ihrer Betriebe sicherstellen». Welche Massnahmen fordern die beiden Organisationen? «Monetäre Massnahmen. Der Milchpreis muss jetzt steigen. Nun ist ein Signal gefordert», sagt Samuel Winkler, Leiter Zentrale Dienste bei den VMMO, zu schweizerbauer.ch. Die Forderung nach einem höheren Preis sei durch die Mitglieder der Basis eingebracht worden.
«Sie sind regional unterschiedlich. Zusammen mit den TMP haben wir unser Anliegen bei den Schweizer Milchproduzenten deponiert. Ob die Bauernfamilien über den Richtpreis oder in einer anderen Form der Milchpreiserhöhung entlastet werden, ist schlussendlich sekundär», so Winkler weiter.
Mehr zur VMMO und TMP
Die VMMO sind nicht im Vorstand der BOM vertreten, sondern im SMP-Vorstand. Die Genossenschaft Thurgauer Milchproduzenten TMP vertritt die Interessen ihrer rund 700 Mitglieder. Die Mitglieder der TMP sind allesamt aktive Milchproduzenten und produzieren jährlich über 213 Millionen Kilo Milch.
Die Genossenschaft Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost vertritt die Interessen ihrer rund 3800 Mitglieder und erbringt zahlreiche Dienst- und Beratungsleistungen. Die Mitglieder der VMMO sind allesamt aktive Milchproduzenten und produzieren rund ein Viertel der schweizerischen Milchmenge. Das Einzugsgebiet der VMMO erstreckt sich über neun Kantone in der Ost- und Zentralschweiz sowie das Fürstentum Liechtenstein.
Per 1 Nov muss der Richtpreis um weitere 10 Rp erhöht werden, infolge der sehr teuren Fütterung ( Futterzukauf) des kommenden Winters.