Bekämpfung der Milchmarktkrise: Markt oder Staat?

Auf der Agrarministerkonferenz (AMK) in Bad Reichenhall in Deutschland prallen unterschiedliche Ansätze zur Bewältigung von Milchpreiskrisen aufeinander. Während einige Bundesländer stärkere staatliche Eingriffe fordern, setzen andere auf marktwirtschaftliche Lösungen und betriebliche Vorsorge.

AgE |

Bei der Frage, mit welchen Instrumenten den aktuellen und künftigen Milchpreiskrisen beizukommen ist, sind die Landwirtschaftsminister der Länder erwartungsgemäss nicht auf einen Nenner gekommen. Die sogenannten G-Länder Bremen, Hamburg und Niedersachsen sprachen sich auf der Agrarministerkonferenz (AMK) in Bad Reichenhall für politische Eingriffe in den Milchmarkt aus.

Es müssten kurzfristig politisch Entlastungen des Marktes erfolgen und langfristig strukturelle Massnahmen implementiert werden, die eine nachhaltige, faire und krisenresistente Milchwirtschaft förderten, heisst es in einer Protokollerklärung der drei Bundesländer. Hierzu könnten die Einrichtung einer Preisbeobachtungsstelle, das Schliessen schriftlicher Verträge vor Lieferung der Produkte und die Möglichkeit für Landwirte zählen, ein eigenständiges Marktmanagement durch eine zielgerichtete Weiterentwicklung der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO) zu etablieren.

Skepsis gegenüber Mengenreduzierung

Andere starke Milchländer wie Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Schleswig-Holstein halten in der derzeitigen Marktsituation keine freiwillige Mengenreduzierung gegen finanzielle Entschädigung für gerechtfertigt, wie sie Artikel 219 der GMO vorsieht.

Dies gelte insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Milchauszahlungspreise lange Zeit sehr auskömmlich gewesen seien, was die Möglichkeit zur Rücklagenbildung für schwierige Marktphasen eröffnet habe, gab diese Ländergruppe zu Protokoll.

«Staatliche Eingriffe schaden»

Nach Überzeugung von Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber helfen staatliche Markteingriffe den Milcherzeugern nicht, sondern schwächen diese stattdessen. «Unsere Milchbäuerinnen und Milchbauern brauchen faire Wettbewerbsbedingungen und verlässliche Perspektiven», stellte die amtierende AMK-Vorsitzende klar.

Mit der Risikoausgleichsrücklage könne ihnen ein Instrument an die Hand gegeben werden, das sie besser durch schwierige Marktphasen bringe, machte Kaniber deutlich. Sie zeigte sich deshalb erfreut über die breite Allianz an Ländern, die vom Bund eine solche Risikoausgleichsrücklage auf den Weg gebracht sehen wollen.

Kritik aus Niedersachsen

Amtskollegin Miriam Staudte aus Niedersachsen verwies bei der Abschluss-Pressekonferenz auf die in Bad Reichenhall demonstrierenden Milchbauern. Diese hätten sich ein starkes Signal von der AMK gewünscht, ihre Forderung nach einem Lieferverzicht mit finanziellem Ausgleich zu unterstützen.

Eine Risikoausgleichsrücklage als Kriseninstrument geht für Staudte in die falsche Richtung, da es aus ihrer Sicht keine kurzfristige Reaktion auf Marktkrisen ermöglicht. 

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