
Das Nettoergebnis blieb mit einem Verlust von 17,1 Millionen Franken nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahr (2024: –16,9 Mio. Franken).
Cremo
Die Freiburger Molkerei Cremo, die mit ihren Pulvertürmen für die Milchverwertung in Überschusszeiten unverzichtbar ist, bleibt in der Krise. 17,1 Millionen Franken beträgt der Verlust im vergangenen Geschäftsjahr, 16,9 Millionen Franken waren es im Vorjahr gewesen. Darum musste im Herbst Chef Ralph Perroud gehen, darum traten im Frühling fünf von neun Verwaltungsratsmitgliedern zurück.
Zum Umsatzrückgang haben auch ein Brand und «mehrere industrielle Störungen» beigetragen, die zu Lieferausfällen bei Kunden führten. Das Unternehmen, das zu einem grossen Teil den bäuerlichen Käsereigenossenschaften im Kanton Freiburg gehört, gab am Donnerstag vor den Medien bekannt, dass es im Jahr 2027 keinen Verlust mehr machen will. Hoffnung setzt die Firma in drei neue Verwaltungsräte, darunter Matthew Robin, den früheren Chef der Migros-Molkerei Elsa.
Umsatz bricht ein
Der Umsatz der Cremo sank im Geschäftsjahr 2025 auf 473,6 Millionen Franken, was einem Rückgang von 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Bereinigt um die Einstellung weniger profitabler Produktlinien wie Emmentaler, pasteurisierte Milch und bestimmte Milchgetränke beträgt der Rückgang 4,7 Prozent. Hauptgründe für die negative Entwicklung waren der Brand in der Käserei sowie mehrere industrielle Störungen, die zu Lieferausfällen führten.
«Das Jahr 2025 hat die Erwartungen, die wir uns gesetzt hatten, eindeutig nicht erfüllt – weder hinsichtlich der Finanzergebnisse noch hinsichtlich des Tempos der Umstrukturierung unseres Unternehmens. In einem besonders schwierigen Marktumfeld, das von hohem Wettbewerbsdruck, anhaltender Überproduktion im Milchsektor und gestiegenen Anforderungen unserer Kunden geprägt war, sah sich Cremo mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert, die unsere Organisation stark unter Druck setzten.», so Georges Godel, Verwaltungsratspräsident, an der Medienkonferenz.
Das Nettoergebnis blieb mit einem Verlust von 17,1 Millionen Franken nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahr (2024: –16,9 Mio. Franken). Entlastend wirkten tiefere Finanzaufwendungen infolge von Wechselkursgewinnen sowie der Verkaufserlös des Standortes Lucens VD.
Cashflow bricht ein
Der Cashflow sank deutlich auf 0,2 Millionen Franken, nachdem im Vorjahr noch 20,5 Millionen Franken erzielt worden waren. Hauptgrund für den Unterschied ist laut Cremo der aussergewöhnlich starke Abbau der Lagerbestände im Jahr 2024. Ungeachtet der schwierigen Situation investierte Cremo weiterhin 10,2 Millionen Franken in Infrastruktur und Produktionsanlagen. Cremo verarbeitete insgesamt 333 Millionen Kilogramm Milch, davon etwa 60 Prozent von Direktproduzenten.
Trotz allem konnte die Marke Latesso mit einem Umsatzplus von 5 Prozent weiter wachsen. Auch die Bruttomarge verbesserte sich leicht, nachdem Cremo die Einkaufsstrategie neu organisiert und die Zahl der Lieferanten stark reduziert habe.
Verwaltungsrat verkleinert sich
«Das vergangene Jahr mit seinen äusserst enttäuschenden Ergebnissen hat deutlich gezeigt, dass die in den letzten Jahren eingeleiteten Veränderungen nicht die erhofften Ergebnisse gebracht haben und unbedingt beschleunigt und vertieft werden müssen. Trotz der unternommenen Anstrengungen ist unsere Organisation nach wie vor zu komplex, nicht agil genug und entspricht teilweise nicht den von unserem Markt geforderten Leistungsstandards. Angesichts dieser Feststellung hat der Verwaltungsrat im Herbst 2025 wichtige und unverzichtbare Entscheidungen im Zusammenhang mit der Unternehmensführung getroffen, um der eingeleiteten Transformation neue Impulse und eine neue Führung zu verleihen.», so Godel.
Xavier Monange ist seit Ende November CEO von Cremo, und die Zahl der Verwaltungsräte wird von neun auf sechs reduziert. Cremo schlägt zuhanden der Generalversammlung vom Juni drei neue Verwaltungsräte vor: Fabrice Favero, langjähriger Nestlé-Manager sowie Gründer und CEO des Cleantech-Start-ups Zesst SA, Claude Gremion, Präsident der Handels- und Industriekammer des Kantons Freiburg und langjähriger Kadermann bei Groupe E, sowie Matthew Robin, CEO der Elsa Group und Verwaltungsrat bei Aaremilch AG und The Cultured Hub AG.
«Keine Tabus» bei der Neuausrichtung
Xavier Monange zeichnete bei seiner Präsentation ein schonungslos offenes Bild der aktuellen Lage des Unternehmens: «Ein negatives Ergebnis – das hat Cremo schon seit mehreren Jahren, und wird es auch 2026 noch haben, das kann ich Ihnen schon jetzt sagen. Es ist das Ergebnis jahrzehntelanger Unterinvestitionen, mangelnder Instandhaltung und unzureichender Ausbildung, und all das muss wieder aufgebaut werden, und das geht nicht von heute auf morgen.»
Die neue Führung verfolge nun zwei zentrale Ziele: Einerseits soll mit einem «Back to Basics»-Programm der Fokus auf den Wandel der Unternehmenskultur, die Kundenzufriedenheit und die wirtschaftliche Effizienz gelegt werden. Andererseits wird die gesamte Strategie von Cremo überprüft. Jede Produktlinie wird auf Rentabilität und Zukunftspotenzial analysiert. Dabei gebe es «keine Tabus» – auch Partnerschaften oder strukturelle Veränderungen würden geprüft. Gleichzeitig betonte Monange klar, dass Cremo nicht verkauft werde und Gerüchte über eine Übernahme durch Migros falsch seien.
Rückkehr in die Gewinnzone bis 2027 angestrebt
Monange unterstrich zudem die zentrale Rolle des Unternehmens für die Schweizer Milchbranche. Das Unternehmen sei der zweitgrösste Milchverarbeiter der Schweiz sowie der zweitgrösste Regulierer und der grösste Butterproduzent.
Ein Wunsch des CEOs bestehe darin, den Anteil der Direktlieferanten auf 80 Prozent zu erhöhen. Ziel sei es nun, das Unternehmen schrittweise zu stabilisieren und möglichst ab 2027 – pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum – wieder in die Gewinnzone zurückzukehren.