
Die Berner Direktlieferanten verweisen darauf, dass sie 2025 lediglich 96,6 Prozent der Vorjahresmenge geliefert hätten.
Cremo
Die Vereinigung Berner Milchproduzenten der Cremo-Direktlieferanten warnt vor einer Zuspitzung am Milchmarkt und stellt das Instrument der C-Milch grundsätzlich infrage. In einem Schreiben an die Branchenorganisation Milch (BOM) zeichnet die Vereinigung das Bild einer sich seit Monaten abzeichnenden Überangebotskrise.
Ungleichgewicht im Markt sorgt für Unmut
Bereits im Herbst sei klar gewesen, dass es im Winter und im Frühjahr zu Engpässen bei Verarbeitung und Vermarktung von Überschussprodukten wie Butter und Magermilchpulver kommen werde. Trotz zahlreicher Vorschläge aus der Branche zeige das Milchpreis-Monitoring vom Januar ein uneinheitliches Bild. Während einzelne Organisationen deutliche Einbussen hinnehmen müssten, blieben die Preise andernorts stabil oder stiegen sogar. Es stelle sich die Frage, wer die Last der Krise trage und wer sich ihr entziehe, heisst es weiter im Schreiben.
Die Berner Direktlieferanten verweisen darauf, dass sie 2025 lediglich 96,6 Prozent der Vorjahresmenge geliefert hätten. Die Mehrmengen seien folglich andernorts entstanden. Entsprechend kritisch beurteilt die Vereinigung die Wiedereinführung des C-Milch-Systems. Man habe sich dennoch solidarisch gezeigt und 10 Prozent der Milchmenge als C-Milch deklariert oder auf 10 Prozent der Liefermenge verzichtet. Damit leiste man einen Beitrag zur Marktentlastung und ermögliche dem Verarbeiter den Export.
Produzenten haben Anrecht auf Transparenz
Die Folgen seien jedoch spürbar. Da Mittel aus dem Fonds Marktentlastung derzeit für Butterexporte reserviert seien, entfalle die Unterstützung für Proteinexporte. Der Druck auf den Milchpreis nehme zu, was sich direkt auf die Betriebe auswirke. Umso weniger nachvollziehbar sei es, dass andere Marktakteure kaum Preisreaktionen zeigten. Dieses Verhalten untergrabe die Solidarität innerhalb der Branche. Kritisch sieht die Vereinigung zudem die fehlende Transparenz im C-Milch-Handel.
Es sei «absolut verwerflich», dass selbst die verwaltende Organisation keine Einsicht in eingekaufte Mengen oder exportierte Milchäquivalente habe. Produzenten hätten ein Anrecht auf diese Informationen, wird im Schreiben der Berner Milchproduzenten der Cremo-Direktlieferanten betont. Intransparenz schaffe Misstrauen. Grundsätzlich bekennt sich die Vereinigung zur Branchenorganisation. Lösungen müssten gemeinsam mit den Verarbeitern entwickelt werden. Diese seien nicht Gegenspieler, sondern Marktpartner. Ziel sei eine stabile, nachfrageorientierte Milchproduktion.
Produzenten legen konkrete Vorschläge vor
Konkret fordert die Vereinigung mehr Transparenz, eine faire Verwendung der Fondsmittel sowie verbindliche Regeln für alle Akteure. So sollen Erstmilchkäufer verpflichtet werden, ihre Mengen frühzeitig vertraglich zu binden und bei Überproduktion Verantwortung zu übernehmen. Auch C-Milch-Einkäufe und Exporte müssten offengelegt werden. Eine staatliche Regulierung lehnt die Vereinigung ab. Die Branche müsse das Problem selbst lösen.