EU-Landwirte sollen 1,6 Prozent mehr Milch produzieren

Die EU-Kommission rechnet für 2026 mit einem Anstieg der Milchproduktion um 1,6 Prozent. Verantwortlich dafür sind höhere Milchleistungen, günstige Produktionsbedingungen und eine stabile Nachfrage nach Milchprodukten.

aiz |

Die EU-Milchproduktion wird in diesem Jahr in ähnlichem Umfang wie im Vorjahr (plus 1,6 Prozent) zunehmen. Das Wachstum werde durch die Entwicklung in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Belgien und Polen befeuert, wo die Milchanlieferung im ersten Quartal 2026 weiterhin stark gestiegen ist, wie die EU-Kommission in ihrem aktuellen «Short Term Outlook for EU agricultural markets in 2026» laut MBI schreibt.

Bereits in den vergangenen zwölf Monaten ist das Milchangebot in der EU deutlich gewachsen. Nach einem starken Anstieg in der zweiten Jahreshälfte 2025 lag das Plus gegenüber dem Vorjahr in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 bei über 4 Prozent. Angesichts eines anhaltenden Rückgangs der Milchkuhbestände sei dies auf verbesserte Milchleistungen zurückzuführen, so die EU-Kommission.

Das sind die Faktoren

Mehrere Faktoren trugen 2025 zur Produktivitätssteigerung bei: gute Wetterbedingungen, die zu einer höheren Verfügbarkeit und Qualität von Futtermitteln führten, überdurchschnittliche Grünlandbedingungen in den wichtigsten graslandbasierten Produktionsgebieten sowie ausreichend hohe betriebliche Margen.

Sofern sich die derzeit günstigen Grünlandbedingungen nicht verschlechtern, sei zu erwarten, dass die Milchleistungen auch im Jahr 2026 weiter steigen werden (plus 2,4 Prozent). Steigende Fett- und Eiweissgehalte haben ebenfalls dazu beigetragen und können weiterhin zur Erhöhung der verfügbaren Milchfeststoffe für die Milchwirtschaft beitragen.

Preisdruck und steigende Kosten

Ab dem letzten Quartal 2025 sanken die EU-Rohmilchpreise, da sich der Markt an das gestiegene Angebot anpasste. Derzeit zeigen die Preise Anzeichen einer Stabilisierung, doch die insgesamt steigenden Aussichten für die Inputkosten aufgrund der Auswirkungen geopolitischer Spannungen im Nahen Osten üben nach Einschätzung der EU-Kommission Druck auf die landwirtschaftlichen Margen aus. Das dürfte das Wachstum des EU-Milchangebots in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 wahrscheinlich begrenzen.

Die Nachfrage nach Milchprodukten in der EU bleibt demnach stabil, doch für die zweite Jahreshälfte 2026 herrscht Unsicherheit, da die Inputkosten der Milchverarbeiter (darunter z. B. Energie-, Transport- und Verpackungskosten) voraussichtlich auf hohem Niveau bleiben und teilweise auf die Verbraucherpreise abgewälzt werden, während höhere Energiepreise die allgemeine Lebensmittelinflation ankurbeln könnten.

Butter, Käse und Magermilchpulver profitieren

Die höhere Verfügbarkeit von Rohmilch führte 2025 zu einem Anstieg der Produktion von Butter, Käse und Magermilchpulver. Die Magermilchpulver-Exporte stiegen im vierten Quartal 2025 und im ersten Quartal 2026 deutlich, doch Spannungen im Nahen Osten schränken derzeit die EU-Exporte in diese Region und darüber hinaus ein, wie es weiter hiess. Über das gesamte Jahr betrachtet können die Magermilchpulver-Produktion (plus 6,9 Prozent) und die Exporte im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozent steigen. Die Butterverarbeitung profitierte ebenfalls von dem zusätzlichen Milchangebot, stand jedoch auf wichtigen Märkten im Wettbewerb mit Butter aus Neuseeland und den USA.

Daher blieb ein grosser Teil der zusätzlichen Butterproduktion im Jahr 2025 auf dem Binnenmarkt oder floss in die Lagerbestände. Aufgrund wettbewerbsfähigerer Preise können die EU-Butterexporte im Jahr 2026 dem Bericht zufolge steigen (plus 5 Prozent), während der Inlandsverbrauch weniger stark zunehmen dürfte als im Vorjahr (plus 6,4 Prozent gegenüber plus 7,5 Prozent im Jahr 2025).

Käseproduktion legt weiter zu

Auch die Käseproduktion profitiert von dem gestiegenen Milchangebot, während die Verarbeitungsbetriebe in der ersten Hälfte des Jahres 2026 mit voller Kapazität arbeiten. Die Käseproduktion könnte nach Einschätzung der EU-Kommission 2026 in ähnlichem Umfang wie im Vorjahr steigen (plus 1,8 Prozent gegenüber plus 1,7 Prozent im Jahr 2025), wobei sie sich auf den Inlandsverbrauch stützt, während die Exportmengen voraussichtlich nicht wesentlich zunehmen werden (plus 0,5 Prozent). Die Molkeproduktion kann in der EU ebenfalls wachsen (plus 1,4 Prozent).

Die EU-Produktion von Magermilchpulver ging 2025 (minus 8,6 Prozent) und in den ersten Monaten des Jahres 2026 zurück, während die Exporte sanken (minus 15 Prozent). Der Rückgang der Molkenpulverproduktion und der Exporte dürfte sich 2026 fortsetzen (minus 3,1 Prozent bzw. minus 5 Prozent), was auch auf die derzeit schwache Nachfrage im Nahen Osten zurückzuführen sei, so der Outlook.

Die Produktion von Vollmilchpulver dürfte ebenfalls weiter zurückgehen (minus 0,6 Prozent), was die Brüsseler Behörde vor allem auf Trinkmilch zurückführt. Andererseits stützt die starke Nachfrage nach Joghurt und Sahne einen Anstieg des Angebots dieser Produkte.

Kommentare (2)

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  • Ketzer | 08.07.2026
    Die Schweizer Milchverarbeiter, Züger und co., kaufen den Deutschen Milch Markt leer.
    Ganz grosses Kino😂
  • Daniela Nef | 08.07.2026
    Aha,dann exportieren wir halt mehr Milch,dann hätte es bei uns auch eine Entspannung und endlich mal besseter Milchpreis. Schon komisch. Irgendetwas läuftvin der Schweiz einfach falsch.
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