
Das Modul entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Farm-Management-Informationssystem Barto, dem IT-Dienstleister Bison (beide Unternehmen gehören der Fenaco) und der Beratungszentrale Agridea. Die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften entwickelte die fachlichen und wissenschaftlichen Berechnungsgrundlagen.
Tobias Strahm
Lange wurde darüber diskutiert – nun ist das Tool lanciert. Die Branchenorganisation Milch (BOM) hat über die Smart-Farming-Plattform Barto einen Klimarechner eingeführt. Damit können Betriebe den Treibhausgas-Fussabdruck berechnen. «Das Ergebnis ist der sogenannte Product Carbon Footprint (PCF) der Milch», schreibt die BOM in einer Mitteilung.
Daten fliessen direkt ein
In die Berechnung fliessen Kennzahlen aus der Milchproduktion, der Fütterung sowie dem Herden- und Hofdüngermanagement ein. Weiter lässt sich mit dem Tool berechnen, wie sich betriebliche Anpassungen auf die Treibhausgasemissionen auswirken. Doch nicht nur die Emissionen werden berechnet. «Mit der Nahrungsmittelkonkurrenz wird der Anteil an neu gewonnenem, für den Menschen verwertbarem Protein angezeigt, zum Beispiel durch die Verwertung von Weidegras», schreibt die BOM weiter.
Die für die Berechnung benötigten Daten fliessen über digitale Schnittstellen direkt aus den Ursprungsdatenbanken in den Klimarechner ein. Sie müssen nicht erneut erfasst werden.
Grosses Interesse am Rechner haben gemäss der Branchenorganisation die Detailhändler und Verarbeiter. «Ihre Interessen haben Eingang in den Klimarechner gefunden», hält die BOM fest. Gemäss der Branchenorganisation müssen sie ihre Klimaziele entlang der gesamten Wertschöpfungskette nachvollziehbar ausweisen, Reduktionspotenziale erkennen und transparent kommunizieren. Der Klimarechner sei die Grundlage dafür.
SMP: Keine Daten liefern
Nicht erwähnt wird, ob die Produzentinnen und Produzenten für ihre Bemühungen zur Emissionsreduktion entschädigt werden. Bei den Schweizer Milchproduzenten (SMP) ist die Haltung klar: «Ohne Entschädigung raten wir vom Einsatz der zur Verfügung stehenden Instrumente dringend ab», sagte SMP-Mediensprecherin Christa Brügger Mitte Mai zum «Schweizer Bauer».
-> Milch: Klimadaten nicht gratis liefern
Gemäss BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler umfasst das angestrebte Modell drei Komponenten:
- Erstens eine pauschale Entschädigung für die Datenerfassung im Klimarechner.
- Zweitens eine leistungsabhängige Vergütung auf Basis der CO₂-Emissionen pro Kilogramm Milch – je tiefer diese ausfallen, desto höher die Entschädigung.
- Drittens soll die Nahrungsmittelkonkurrenz in der Rindviehfütterung berücksichtigt werden. Hofeigenes Futter soll honoriert werden.
Die Ausgestaltung eines fairen Verteilungsschlüssels ist aber ein schwieriges Unterfangen. «Einerseits sollen Betriebe belohnt werden, die ihre Emissionen weiter senken. Andererseits dürfen diejenigen, die bereits viel gemacht haben und schon auf einem tiefen Emissionsniveau sind, nicht schlechtergestellt werden», sagte Kohler im Mai zum «Schweizer Bauer».