
Zu viel Milch: Mooh will ab 2027 mit individuellen Referenzmengen reagieren.
Mooh
Die Milchüberschüsse dieses Jahres haben bei der Milchhandelsorganisation Mooh Spuren hinterlassen. Nun zieht die Genossenschaft die Konsequenzen aus den grossen C-Milch-Mengen. In einem Webinar stellte Geschäftsführer René Schwager den Mitgliedern diese Woche ein neues Referenzmengensystem vor. Es soll ab 2027 greifen – allerdings nur dann, wenn tatsächlich zu viel Milch auf dem Markt ist und C-Milch anfällt.
Über die nötigen Änderungen der Einkaufskonditionen entscheiden die Mitglieder an einer ausserordentlichen Generalversammlung am 14. Oktober. Stimmen sie zu, soll das System ab dem 1. Januar 2027 bereitstehen.
Nur im Krisenfall
Wer in einer Überschusssituation weniger Milch liefert, soll auch seine eigene C-Milch-Menge reduzieren können. Das Ziel sei, «einen Anreiz zu geben, die Milchmenge so gut wie möglich zu reduzieren, wenn zu viel Milch auf dem Markt ist». Eine Rückkehr zur früheren Milchkontingentierung soll das nicht sein. «Alles, was wir bereits haben, unser heutiges Basis- und Planungsmodell, bleibt unverändert bestehen», betonte Schwager. Die neue Referenz greift erst, wenn Milch zu C-Konditionen verwertet werden muss.

René Schwager ist Geschäftsführer von Mooh.
Daniel Salzmann
Dazu erhält jeder Betrieb für jeden Monat eine individuelle Referenzmenge. Grundlage sind grundsätzlich drei Vorjahre. Der tiefste Monatswert wird gestrichen, aus den beiden höheren wird der Durchschnitt gebildet. Hat ein Betrieb im Januar beispielsweise 20’000, 18’500 und 21’000 kg geliefert, ergibt sich eine Referenz von 20’500 kg. Für 2027 zählen die Jahre 2023 bis 2025. Das laufende Jahr wird ausgeklammert, weil Mooh die Produzenten wegen des Überschusses zum Drosseln aufgefordert hatte. Wer diesem Aufruf gefolgt ist, soll deshalb später keine tiefere Referenz erhalten. Auch künftig sollen Jahre mit ausgeprägter C-Milch grundsätzlich nicht als Referenz dienen. Die langfristige Ausgestaltung dürfte aber auch von einer nationalen Branchenlösung abhängen.
Strukturwandel nicht verhindern
In einer Überschussphase kann Mooh die Referenz zusätzlich mit einem Korrekturfaktor an die Marktlage anpassen. Liegt die Referenz beispielsweise bei 20’500 kg und der Faktor bei 95 Prozent, sinkt die massgebende Menge auf 19’475 kg. Liefert der Betrieb 19’900 kg, werden die darüberliegenden 425 kg zu C-Milch. Der Korrekturfaktor soll spätestens am 20. des Vormonats zusammen mit dem Milchpreis bekannt gegeben werden. Damit sollen die Produzenten noch auf die Marktlage reagieren können.
«Wenn die anderen nicht analog mitziehen, werden wir das System nicht restriktiv umsetzen.»
Eine Sonderregel ist für Betriebe vorgesehen, die investieren und ihre Produktion deutlich ausweiten. Wer beispielsweise einen neuen Stall baut, soll in einem Überschussjahr nicht einen grossen Teil der zusätzlichen Milch automatisch zu C-Konditionen verkaufen müssen. «Wir wollen einen Strukturwandel von Betrieben nicht verhindern», sagte Schwager.
Solche Betriebe können deshalb gegen eine Gebühr ihre Referenzmenge erhöhen. Die Aufstockung muss mindestens 20 Prozent der bisherigen Jahresreferenz betragen. Damit will Mooh verhindern, dass Betriebe bloss zusätzliche Referenz kaufen, sobald sich C-Milch abzeichnet. Die Gebühr wird im Voraus fällig. Schwager verglich das Modell deshalb mit einer Versicherung. Die Einnahmen aus den Gebühren sollen deshalb über das Milchgeld beziehungsweise die A- und B-Menge zurückverteilt werden.
«Alle müssen mitziehen»
Die entscheidende Frage liegt für Mooh jedoch ausserhalb der eigenen Genossenschaft: Was bringt es, wenn die eigenen Produzenten ihre Milchmenge drosseln, andere Marktteilnehmer aber ungebremst weitermachen? Schwager und Mooh-Präsident Martin Hübscher machten deutlich, dass das System nur dann seine volle Wirkung entfalten kann, wenn die übrige Branche mitzieht.
«Wenn die anderen nicht analog mitziehen, werden wir das System nicht restriktiv umsetzen», sagte Schwager. Andernfalls drohe ein Verdrängungskampf, bei dem alle möglichst viel Milch im besser bezahlten A-Segment unterbringen wollten. Das würde letztlich den Milchpreis unter Druck setzen. Mooh will mit dem neuen System deshalb vorangehen, versteht es aber gleichzeitig als möglichen Weg zu einer breiteren Branchenlösung.
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Ob da ein Arnold oder die PMOs mitmachen ist fraglich.
Wird nichts gemacht (-->Dauertiefpreis), bin ich froh, Exmelker zu sein!