Milchbranche vor «sehr seriöser Diskussion»

Die Milchmarktkrise erhöht den Handlungsdruck: Eine Basisorganisation zweifelt an der Branchenorganisation Milch und nimmt die Schweizer Milchproduzenten in die Pflicht. Weiter fordert die Resolution eine monatliche Transparenz beim Erstkauf von C-Milch.

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Der Vorstand des Schweizer Bauernverbands (SBV) ist besorgt über die Situation auf dem Milchmarkt. Dieser sei geprägt von einer erneuten Phase der Überproduktion, die für die Milchbetriebe zu einem sehr schmerzlichen Preisverfall bei der Industriemilch führt. Aus diesem Grund unterstützt der SBV eine von Agri Jura eingereichte Resolution zuhanden der Branchenorganisation Milch (BOM), wie er mitteilt.

«Darauf zu warten, dass sich Verarbeiter und Detailhänder in der BOM für höhere Milchpreise einsetzen, ist blauäugig.»

Bauern-Basisorganisation BIG-M

Diese sieht ein Instrument für eine flexible Mengensteuerung auf Betriebsebene vor, um den Markt künftig nachhaltig zu stabilisieren und wiederkehrende Krisen zu vermeiden. Laut SBV soll es möglich sein, bei den ersten Anzeichen eines Ungleichgewichts einen entsprechenden Mechanismus zur Mengenreduktion zu aktivieren, ohne dass es sich dabei um eine «versteckte Kontingentierung» handelt. Weiter fordert die Resolution eine monatliche Transparenz beim Erstkauf von C-Milch. Schweizer Milch solle in den Sortimenten der Detailhändler aktiv gefördert werden.

BIG-M erhöht den Druck

«Eine Mengensteuerung soll nicht mit starren Mengen einschränken, sondern mit wirtschaftlichen Anreizen jene belohnen, welche sich im Sinne des Gesamtmarktes verhalten», schreibt die bäuerliche Interessengemeinschaft für fairen Milchmarkt (BIG-M) in ihrem Newsletter. Eine solche Lösung zu erarbeiten, sei Aufgabe der Dachorganisation SMP. Darauf zu warten, dass sich Verarbeiter und Detailhändler in der BOM für höhere Milchpreise einsetzen, sei blauäugig und aus Sicht von BIG-M eine Arbeitsverweigerung.

Was sagen die SMP zu dieser Kritik? SMP-Mediensprecherin Christa Brügger verweist auf die Medienmitteilung von Ende März und hält fest, dass die SMP an den Diskussionen in der BOM aktiv teilnehme und man sich dort äussern werde. Die vom SBV aufgeführten Vorschläge würden unterstützt. Aus Sicht des SMP-Vorstands braucht es mittelfristig im Schweizer Milchmarkt ein resilienteres System, das die Marktstabilität hochhält und für eine bessere Abstimmung zwischen produzierter Milchmenge und vorhandenen Verarbeitungskapazitäten sorgt.

Allgemeinverbindlichkeit ist Thema 

Der SMP-Vorstand ist einstimmig der Meinung, dass die Lösungen auf Branchenebene gesucht werden müssen. Darüber, wie ein entsprechendes System aussehen könnte, will sich Stefan Kohler, Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch (BOM), noch nicht äussern. «Wir erhalten derzeit viele gute Vorschläge in Form von Resolutionen und Eingaben. Das Gemeinsame ist der Wunsch nach einer Mengenreduktion in Krisenzeiten mit der Herausforderung, die Anreize zur Reduktion gerecht auf die Marktakteure zu verteilen», sagt Kohler.

Die Kommission treffe sich nun ein erstes Mal und mache eine Auslegeordnung. «Da es möglicherweise zu Anpassungen in den Reglementen und zu Anträgen für eine Allgemeinverbindlichkeit kommen wird, ist eine sehr seriöse Diskussion mit klaren Mehrheitsentscheiden nötig. Darum werden Ergebnisse nicht in den kommenden Wochen zu erwarten sein.»

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