Milch: EU-Produktion im Rückwärtsgang

Der globale Milchmarkt bleibt 2026 in Bewegung: Während die Produktion in den USA, Australien und Argentinien zunimmt, erwartet das USDA für die Europäische Union erneut einen Rückgang. Insgesamt dürfte die Milchmenge der wichtigsten Exportländer dennoch leicht steigen.

Die Milchproduktion der weltweit wichtigsten Exporteure von Milchprodukten dürfte sich 2026 regional unterschiedlich entwickeln, unter dem Strich jedoch erneut zulegen. Nach Einschätzung des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) wird die Produktion dieser Ländergruppe insgesamt 293,39 Mio. Tonnen erreichen.

Das entspräche einem Zuwachs von 1,04 Mio. Tonnen oder 0,4 % gegenüber 2025. Produktionssteigerungen in den USA, Australien und Argentinien dürften dabei Rückgänge in Neuseeland und der Europäischen Union mehr als ausgleichen.

EU-Produktion erneut rückläufig

Für die EU rechnet das USDA im laufenden Jahr mit einem weiteren Produktionsminus. Die Milchproduktion dürfte gegenüber 2025 um 700’000 Tonnen bzw. 0,5 % auf 144,80 Mio. Tonnen sinken – der zweite Rückgang in Folge. Hauptursache sei die fortgesetzte Abstockung der Milchkuhbestände.

Zuwächse bei der Milchleistung je Kuh sowie Effizienzgewinne in der Produktion reichten demnach nicht aus, um diesen Effekt zu kompensieren. Vor diesem Hintergrund dürften sich die europäischen Molkereien auch 2026 verstärkt auf margenstarke Produkte wie Käse konzentrieren.

Nachwuchs fehlt, Auflagen bleiben hoch

Zwar habe sich die Wirtschaftlichkeit der EU-Milchviehbetriebe im vergangenen Jahr überwiegend verbessert, die Branche werde jedoch weiterhin durch umweltpolitische Auflagen belastet. Das USDA verweist unter anderem auf die CO₂-Abgabe für dänische Nutztierhalter sowie auf restriktive Naturschutzvorgaben in Deutschland. Hinzu kämen in mehreren Mitgliedstaaten Tierseuchen wie die Blauzungenkrankheit (BT) und die Lumpy-Skin-Krankheit (LSD), die zeitweise Milchleistungseinbussen, Fruchtbarkeitsprobleme und erhöhte Verluste verursacht hätten.

Verstärkt werde der Strukturwandel zudem durch fehlenden Nachwuchs: Hohe Arbeitsbelastung und unsichere Ertragsaussichten schreckten potenzielle Hofnachfolger ab. Trotz dieser Belastungen bleibe die EU mit grossem Abstand der weltweit grösste Produzent von Kuhmilch – vor den USA, Indien, China, Russland, Brasilien, Neuseeland, dem Vereinigten Königreich, Mexiko, Argentinien, Kanada und Australien.

USA mit stärkstem Produktionszuwachs

Die deutlichste absolute Produktionsausweitung unter den grossen Exporteuren erwartet das USDA 2026 für die USA. Dort soll die Milchproduktion gegenüber dem Vorjahr um 1,23 Mio. Tonnen oder 1,2 % auf 106,19 Mio. Tonnen steigen. Hintergrund sei die geplante Aufstockung der Herden, um neu geschaffene Verarbeitungskapazitäten auszulasten. Vor allem die expandierende Käseproduktion sowie lebhafte Exporte von Milchprodukten sorgten für einen steigenden Rohstoffbedarf.

Für Argentinien prognostiziert das USDA einen Produktionsanstieg um 460’000 Tonnen bzw. 4,0 % auf den Rekordwert von 11,95 Mio. Tonnen. Begünstigt würden die Zuwächse durch gute Weidebedingungen und niedrige Futtermittelpreise. Auch Australien dürfte seine Milchproduktion ausweiten, und zwar um rund 150’000 Tonnen oder 1,8 % auf 9,65 Mio. Tonnen. Stabile Milchpreise und vergleichsweise günstige Futterkosten setzten dort Anreize zur Aufstockung der Milchkuhbestände.

Dagegen erwartet das USDA für Neuseeland einen Rückgang der Produktion um 100’000 Tonnen oder 0,5 % auf 21,80 Mio. Tonnen infolge einer anhaltenden Bestandsreduzierung.

Börsenmilchwert zieht an

Unterdessen deuten die Butterfutures an der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig auf eine leichte Kurserholung im laufenden Jahr hin – allerdings von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau. Der vordere Januarkontrakt war bis Anfang Dezember 2025 auf rund 3’930 Franken/t (3’925 Euro/t) gefallen, den niedrigsten Stand seit Juli 2021. Bis am 7. Januar erholte sich der Settlementkurs auf rund 4’270 Franken/t (4’270 Euro/t).

Ab dem zweiten Quartal 2026 signalisiert der Terminmarkt weiter steigende Notierungen: Der Apriltermin wurde mit rund 4’300 Franken/t (4’300 Euro/t) bewertet, für die Monate bis November werden Preise bis rund 4’870 Franken/t (4’869 Euro/t) ausgewiesen. Ein ähnliches Bild zeigen die Kursverhältnisse der EEX-Futures auf Magermilchpulver.

Orientierung für Milchproduzenten

Eine zusätzliche Orientierung für deutsche Milchproduzenten liefert der vom Kieler Institut für Ernährungswirtschaft (ife) berechnete Börsenmilchwert. Für Januar 2026 ergibt sich ein Durchschnitt von rund 0,32 Franken/kg Milch (31,6 Cent/kg) bei 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiss ab Hof, ohne Mehrwertsteuer. Für Februar wird ein leichter Rückgang auf rund 0,31 Franken/kg (31,4 Cent/kg) erwartet, ehe für März ein Anstieg auf rund 0,33 Franken/kg (32,6 Cent/kg) prognostiziert wird.

Dieser positive Trend setzt sich laut ife bis zum Jahresende fort; für Dezember 2026 wird dann ein Börsenmilchwert von rund 0,38 Franken/kg (37,8 Cent/kg) ausgewiesen.

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